Mit Ausstellungen, Podiumsdiskussionen und Bildungsangeboten erinnert die Stadt Jena an die Selbstenttarnung des rechtsterroristischen „Nationalsozialistischen Untergrunds“ (NSU) am 4. November 2011. Im Mittelpunkt der Veranstaltungsreihe sollen die Opfer der Mordserie, die Entstehung rechtsextremer Strukturen in Jena sowie die bis heute nicht abgeschlossene Aufarbeitung der Verbrechen stehen, teilte die Stadt am Donnerstag mit.
Den Auftakt bilden den Angaben zufolge zwei Ausstellungseröffnungen am 29. Oktober. Die Schau „Die Opfer und die Aufarbeitung der Verbrechen“ dokumentiere auf 27 Tafeln die Morde und ihre gesellschaftliche Aufarbeitung. Die Ausstellung „Der Weg in den Untergrund - Die Jenaer Spuren“ rekonstruiere anhand von Dokumenten, Fotografien und Zeitungsberichten die Entwicklung der rechtsextremen Szene in Jena. Weitere Angebote befassen sich bis zum 20. November mit Kontinuitäten rechten Terrors und dem Umgang der Sozialarbeit mit rechtsextremen Jugendlichen.
Jena gilt als zentraler Ort der NSU-Geschichte
Kulturdezernent Johannes Schleußner (SPD) sagte, die Perspektiven der Betroffenen müssten ernst genommen und gesellschaftliche Verantwortung im Umgang rechter Gewalt müsse diskutiert werden. Oberbürgermeister Thomas Nitzsche (FDP) erklärte, Jena trage wegen der Radikalisierung der späteren Täter vor Ort eine besondere Verantwortung für die Aufarbeitung.
Jena gilt als zentraler Ort der NSU-Geschichte. In der Stadt radikalisierten sich in den frühen 1990er Jahren die Haupttäter. Der NSU ermordete zwischen 2000 und 2007 zehn Menschen aus rassistischen Motiven.