An den Unternehmer und entschiedenen Gegner der Nationalsozialisten, Otto Weidt (1883-1947), erinnert seit Montag in Berlin eine Gedenktafel. In der NS-Zeit bewahrte Weidt in seiner Bürstenmacherwerkstatt am Hackeschen Markt vor allem blinde und gehörlose Jüdinnen und Juden zeitweilig vor der Deportation oder half ihnen unterzutauchen. Die Gedenktafel steht künftig am Otto-Weidt-Platz an der Heidestraße in Berlin-Mitte.
Berlins Kulturstaatssekretärin Cerstin Richter-Kotowski (CDU) würdigte Weidt als einen Menschen, „der in einer Zeit staatlich organisierter Unmenschlichkeit Haltung bewies - nicht mit großen Reden, sondern mit konkretem Handeln“. Otto Weidt habe gezeigt, „dass selbst unter einem Terrorregime Handlungsspielräume existieren“. Sein Beispiel mahne, „wachsam zu bleiben, Unrecht zu benennen und Menschlichkeit nicht preiszugeben“, erklärte die CDU-Politikerin.
Schriftstellerin Deutschkron erinnerte an Otto Weidt
Die Lebensgeschichte und das Wirken Otto Weidts wurde erst durch die Veröffentlichung der Autobiografie „Ich trug den gelben Stern“ der Schriftstellerin und Journalistin Inge Deutschkron (1922-2022) einer breiteren Öffentlichkeit bekannt. Otto Weidt wurde 1971 von der israelischen Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem als „Gerechter unter den Völkern“ geehrt.
Die Einweihung der Gedenktafel erfolgte am Todestag von Deutschkron. Die Berliner Ehrenbürgerin war am 9. März 2022 im Alter von 99 Jahren gestorben. Zudem war Deutschkron an der Gründung des Museums Blindenwerkstatt Otto Weidt in den ehemaligen Werkstatträumen sowie an der Namensgebung des Platzes beteiligt.