Gedenkstätten wehren sich gegen politische Vereinnahmung
Weimar (epd).

Zum 81. Jahrestag der Befreiung der Konzentrationslager Buchenwald und Mittelbau-Dora in Thüringen präsentieren sich die Orte als wehrhafte Gedenkstätten. Zu den Feierlichkeiten anlässlich des Jubiläums am 12. April werde alles unternommen, um die Gedenkstätten vor politischer Vereinnahmung zu schützen, sagte Stiftungsdirektor Jens-Christian Wagner am Dienstag. Das Gedenken solle die Überlebenden als Ehrengäste in den Mittelpunkt stellen, ihr Schicksal würdigen und zum Nachdenken anregen.

Wagner betonte die Gegenwartsbedeutung des Gedenkens. Die Gesellschaft erlebe eine spürbare Zuspitzung von Angriffen auf die Erinnerungskultur und eine Verbreitung geschichtsrevisionistischer Narrative. Wenn versucht werde, Buchenwald für geopolitische Konflikte zu missbrauchen, ziehe seine Einrichtung eine rote Linie. „Als wehrhafte Gedenkstätte treten wir dem entschieden entgegen“, sagte Wagner. Er wisse dabei die Zivilgesellschaft an seiner Seite. Buchenwald und Mittelbau-Dora blieben Orte der Würde und der historisch präzisen Aufklärung.

Hape Kerkeling als Redner

Für die Feiern in Buchenwald und Mittelbau-Dora haben jeweils zwei Überlebende sowie Nachfahren aus verschiedenen Ländern ihre Teilnahme angekündigt. Drei weitere Überlebende aus Israel mussten ihre Teilnahme aufgrund des Krieges im Nahen Osten absagen.

In Buchenwald sind unter anderem Redebeiträge des TV-Moderators und Autors Hape Kerkeling sowie von Kulturstaatsminister Wolfram Weimer (parteilos) geplant. Kerkeling spreche als Nachfahre seines in Buchenwald inhaftierten Großvaters. Wagner erklärte, er übernehme nicht die Kritik von Opferverbänden an Weimers geplantem Auftritt. Weimer spreche als Vertreter der Bundesregierung.

Interreligiöses Gedenken

Im Anschluss an die offizielle Gedenkfeier findet im ehemaligen Kleinen Lager ein interreligiöses Gedenken statt. Daran nehmen neben dem Landesbischof der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland, Friedrich Kramer, Erfurts katholischer Bischof Ulrich Neymeyr sowie der Kantor der jüdischen Landesgemeinde in Erfurt, Milán Andics, teil.

In der KZ-Gedenkstätte Mittelbau-Dora in Nordhausen findet nach Angaben des dortigen Leiters, Andreas Froese, die zentrale Gedenkfeier am 13. April statt. Die Zeremonie werde unter anderem durch den Sänger Sebastian Krumbiegel mit einer Rede und auch musikalisch gestaltet. Am Nordthüringer Gedenkort Ellrich-Juliushütte, dem einst größten Außenlager des KZ Mittelbau-Dora, werde am 14. April der Befreiung gemeinsam mit Nachfahren von Häftlingen gedacht.

Gedenkstätten sind zugleich Friedhöfe

Nicht stattfinden wird laut Wagner die Kundgebung der Organisation „Kufiyas in Buchenwald“. Das Bündnis aus Hamas-Anhängern und linksextremistischen Gruppen habe lautstarke Demonstrationen auf dem Gedenkstätten-Parkplatz und am Mahnmal angekündigt. Die Stadt habe ihnen diesen Auftritt aber untersagt und als Ausweichort den Theaterplatz angeboten. Darauf habe das Bündnis bislang noch nicht reagiert. Wagner schloss nicht aus, dass der Fall vor Gericht landen könnte.

Wagner sagte, die Gedenkstätte sei nicht nur Geschichts- und Erinnerungsort, sondern auch ein Friedhof. Leider wisse heute nicht mehr jeder, wie man sich auf einem Friedhof zu benehmen habe.

Von Matthias Thüsing (epd)