Bundesjugendring hält "Gen Z"-Proteste für berechtigt
Berlin (epd).

Der Deutsche Bundesjugendring (DBJR) sieht in den geplanten bundesweiten „Gen Z“-Protesten eine legitime Kritik an realen Missständen. „Wer ungleiche Bildungschancen erlebt, keine bezahlbare Wohnung findet oder bei Entscheidungen über die eigene Zukunft kaum Einfluss hat, erwartet zu Recht politische Veränderungen“, sagte die DBJR-Vorsitzende Daniela Broda am Dienstag in Berlin dem Evangelischen Pressedienst (epd). Sie erwarte von politischen Entscheidungsträgern, dass diese Kritik ernst genommen werde.

Auch dürften die Demonstrierenden nicht „pauschal unter Gewaltverdacht“ gestellt werden. „Wenn vor allem über mögliche Ausschreitungen gesprochen wird, geraten ihre politischen Anliegen aus dem Blick.“ Junge Menschen müssten „erfahren, dass ihre demokratische Einmischung erwünscht ist“. Gleichzeitig müssten konkrete Hinweise auf mögliche Gewalt ernst genommen werden. „Berechtigte Anliegen rechtfertigen keine Gewalt“, sagte Broda.

Keine pauschale Unterstützung aller Protestaufrufe

Am Samstag plant die Initiative „Gen Z regelt“ bundesweit in mehr als 20 Städten auf die Straßen zu gehen. In Frankreich startete vor einigen Wochen die Bewegung als Schülerprotest, der sich weitere Gruppen anschlossen. Nachdem die Proteste dort teilweise in Ausschreitungen gemündet waren, wurde die Sorge geäußert, dass auch in Deutschland friedliche Demonstrationen gekapert würden.

Die Initiative „Gen Z regelt“ fordert unter anderem, dass etwas gegen „kaputte Schulen und Sparkurs“ unternommen wird. Außerdem soll steigenden Lebenshaltungskosten und sozialen Ungerechtigkeiten entgegengewirkt werden. Broda erklärte, die Unterstützung dieser Anliegen bedeute „allerdings keine pauschale Unterstützung aller Protestaufrufe und beteiligten Gruppen“.

DBJR fordert Verteilung von Reichtum

Der DBJR fordere von der Politik, in gerechte Bildungsbedingungen, bezahlbaren Wohnraum und eine verlässliche öffentliche Infrastruktur einschließlich der Kinder- und Jugendhilfe zu investieren. Generationengerechtigkeit dürfe nicht als Begründung dienen, ausgerechnet an den Lebensbedingungen und Zukunftschancen junger Menschen zu kürzen. Broda forderte eine „gerechtere Verteilung des gesellschaftlichen Reichtums zwischen und innerhalb der Generationen“.

Ebenso benötige es gesetzlich verankerte Beteiligungsrechte, die Absenkung des Wahlalters mindestens auf 16 Jahre und eine verbindliche Einbindung der demokratischen Selbstorganisationen junger Menschen, sagte die DBJR-Vorsitzende. Der Bundesjugendring ist ein Dachverband von Jugendorganisationen.

epd-Gespräch: Jonas Grimm