Die Mehlschwalbe ist mit deutlichem Abstand zum „Vogel des Jahres“ 2027 gewählt worden. Mehr als 148.500 Menschen beteiligten sich an der öffentlichen Abstimmung des Naturschutzbundes (Nabu) und des Landesbunds für Vogel- und Naturschutz (LBV), wie der Nabu am Donnerstag in Hamburg mitteilte. Mit 45,2 Prozent habe die Mehlschwalbe (Delichon urbicum) den Titel gewonnen. Danach folgten der Trauerschnäpper (22,3 Prozent), der Kolkrabe (15,2 Prozent), die Wasseramsel (10,8 Prozent) und der Kranich (6,5 Prozent).
„Leider ist der neue Jahresvogel gefährdet“, sagte Vogelschutzreferentin Franziska Kötter vom Nabu Hamburg. Knapp 770.000 Brutpaare gebe es noch in Deutschland. „Der Bestand geht aber stetig zurück, vor allem durch illegale Zerstörung von Nestern und Vergrämungsmaßnahmen an Häusern“, informierte Kötter. Moderne Architektur und die zunehmende Versiegelung machten es Schwalben oft unmöglich, ihre Nester zu bauen. Zudem fänden Mehlschwalben duch den Insektenschwund weniger Nahrung. In Hamburg sei die Mehlschwalbe nicht mehr flächendeckend verbreitet.
Nester aus 1.500 Lehmkügelchen
Derzeit überwintern Mehlschwalben in Afrika. Anfang April kommen die etwa 14 Zentimeter großen Vögel wieder nach Deutschland, um zu brüten. Sie gelten als Vorboten der warmen Jahreszeit. Mehlschwalben seien gesellig, brüteten in Kolonien und seien auch außerhalb der Brutzeit in großen Schwärmen anzutreffen, hieß es.
Sie bauen runde Lehmnester an Gebäuden unter Dach- oder Fassadenvorsprüngen und an Felswänden in Nischen. Ein Nest bestehe aus bis zu 1.500 Lehmkügelchen, die die Schwalben in Pfützen sammeln. Viele Nistplätze der Mehlschwalbe gingen durch energetische Sanierungen verloren. „Helfen kann man dem neuen Jahresvogel, indem man seine Nester am Haus duldet oder spezielle Nisthilfen anbringt“, sagte Kötter.
Die Mehlschwalbe folgt auf das Rebhuhn, das 2026 den Titel trägt. Der „Vogel des Jahres“ wurde in Deutschland erstmals im Jahr 1971 gekürt. Seit 2021 wird er durch eine öffentliche Wahl bestimmt.