IFAW: Wale bleiben weltweit bedroht
Hamburg, Stralsund (epd).

Auch 40 Jahre nach dem globalen Walfangverbot sind Wale weltweit massiv bedroht. Darauf weist der IFAW (International Fund for Animal Welfare) anlässlich des Welt-Wal-Tages am 15. Februar hin. Trotz des Moratoriums für den kommerziellen Walfang durch die Internationale Walfangkommission (IWC) im Jahr 1982 würden Norwegen, Island und Japan das Verbot missachten, teilte der IFAW in Hamburg mit. Gleichzeitig würden die Meeressäuger durch Auswirkungen der Klimakrise, die Gefahr tödlicher Schiffskollisionen und Verstrickungen in Fischfanggeräten gefährdet.

Auch in der Nord- und Ostsee gehen die Populationen von Schweinswalen dramatisch zurück: In der deutschen Nordsee schwimmen nur noch etwa 20.000 Kleine Tümmler, die Art gilt als stark gefährdet. „Der Unterwasserlärm durch die Schifffahrt ist das größte Problem. Ohne Schutzmaßnahmen werden sie in Zukunft aussterben“, sagte Andreas Dinkelmeyer, Kampagnenleiter des IFAW in Deutschland, dem Evangelischen Pressedienst (epd). Offensichtlich fehle es am politischen Willen, „auch den kleinen Walen wirksam und nachhaltig zu helfen.“

Todesfalle: Stellnetzfischerei

Dramatisch zurückgegangen sind die Populationen von Schweinswalen in der deutschen Ostsee. „Hier ist die Stellnetzfischerei ein Problem: Die kleinen Wale verheddern sich in den Netzen und ersticken“, sagte Dinkelmeyer. Das Deutsche Meeresmuseum in Stralsund (Landkreis Vorpommern-Rügen) hat jetzt ein internationales Projekt gestartet, das in den kommenden fünf Jahren neue Schutzmaßnahmen für Schweinswale entwickeln will. Bisher seien die nur begrenzt ergriffen worden, hieß es vom Museum.

Der Schweinswal sei die einzige heimische Walart in der Ostsee mit zwei getrennten Populationen. Die Population in der zentralen Ostsee östlich der Insel Rügen umfasst nur noch wenige hundert Tiere und gilt damit als akut vom Aussterben bedroht. Auch die Population der Beltsee ist den Angaben des Museums zufolge rückläufig und werde mit etwa 14.000 Tieren von der Internationalen Union für Naturschutz als gefährdet gelistet.

Gefahren reduzieren

Der IFAW fordert, menschengemachte Gefahren für Wale weltweit drastisch zu reduzieren, etwa durch langsamere Schiffe, umweltverträgliche Schifffahrtsrouten und moderne Fischereigeräte ohne gefährliche Leinen. „Ganze Arten wie etwa der Nordatlantische Glattwal sind sonst unmittelbar vom Aussterben bedroht“, erklärte Dinkelmeyer. Sein Bestand werde auf nur noch rund 380 Tiere geschätzt. Damit zähle der Nordatlantische Glattwal zu den am stärksten bedrohten Säugetierarten der Welt.

Aus Protest gegen den genehmigten kommerziellen Walfang in Norwegen, Island und Japan startet eine internationale Koalition aus Tier- und Artenschutzorganisationen am 15. Februar eine weltweite Petition (endcommercialwhaling.org). Sie fordern die vollständige Abschaffung des kommerziellen Walfangs und sammeln bis September Unterschriften.

Wale seien entscheidend für die Gesundheit der Meeresökosysteme, so der IFAW. Durch ihre Wanderungen würden sie Nährstoffe verteilen und das Wachstum von Phytoplankton fördern. Dieser Mikroorganismus produziere etwa 50 Prozent des weltweiten Sauerstoffs und speichere große Mengen Kohlenstoff. Wale binden auch in ihrer eigenen Biomasse große Mengen Kohlendioxid.