Hamburg: Stadtteilkulturpreis geht an Jenfelder Projekt
Hamburg (epd).

Das Jenfelder Projekt „Wie wollen wir erinnern?“ ist für seine Arbeit zur Dekolonialisierung mit dem diesjährigen Hamburger Stadtteilkulturpreis ausgezeichnet worden. Das Projekt vom Salon International hat rund um den sogenannten Tansania-Park einen offenen Dialograum geschaffen, wie die Kulturbehörde am Dienstag mitteilte. Nachbarschaft, Künstlerinnen und Künstler sowie Fachleute würden gemeinsam Fragen von Kolonialgeschichte, Erinnerungskultur und Perspektivwechsel verhandeln. Der mit 10.000 Euro dotierte Preis wurde am Dienstag durch Kultursenator Carsten Brosda (SPD) überreicht. Der mit 2.000 Euro dotierte Publikumspreis der Stadtteilkultur geht an das Projekt „Voices of Bahrenfeld“.

Die Jury würdigte insbesondere die gesellschaftliche Relevanz und innovative Herangehensweise des Jenfelder Projekts. Es zeige neue Wege der Auseinandersetzung mit der Stadtteilgeschichte: „Das Projekt verbindet lokale Erfahrungen mit globalen Perspektiven, nimmt unterschiedliche Perspektiven auf und macht Erinnerungskultur unmittelbar erlebbar.“ Mit künstlerischen und kreativen Formaten eröffne das Projekt niedrigschwellige Zugänge zur Geschichte, hieß es. Im Zentrum stehe die aktive Beteiligung der Bewohnerinnen und Bewohner: Erinnerung werde nicht vorgegeben, sondern gemeinsam gestaltet.

Publikumspreis für Jugendprojekt

Daneben sei das mit dem Publikumspreis ausgezeichnete Audio-Walk-Projekt „Voices of Bahrenfeld“ ein „herausragendes Beispiel dafür, wie innovative Projekte gemeinsam mit Kindern und Jugendlichen die Menschen vor Ort aktiv einbinden und Stadtteilgeschichte hörbar machen“, befand Brosda. Das Projekt ermöglichte rund 500 Schülerinnen und Schülern der Esther-Bejarano-Schule, ihren Stadtteil im Rahmen eines Audio-Walks neu zu erzählen.

„Gerade in einer Zeit, in der die Freiheit der Künste und das Vertrauen in Kulturinstitutionen unter Druck geraten, ist es wichtiger denn je, solche offenen Räume für Dialog und gesellschaftlichen Zusammenhalt zu stärken“, erklärte der Kultursenator. Die Hamburger Stadtteilkultur stehe für aktive Teilhabe, gesellschaftliche Mitgestaltung und kulturelle Vielfalt, hieß es. Sie schaffe Räume für Begegnung, stärke Bildungsgerechtigkeit und fördere künstlerischen Nachwuchs.

Für den 23. Hamburger Stadtteilkulturpreis wurden insgesamt 57 Projekte und Programme eingereicht. Zum dritten Mal hat die Öffentlichkeit auch über einen Publikumspreis abgestimmt. Der Stadtteilkulturpreis wird gestiftet und unterstützt von der Hamburgischen Kulturstiftung, der Gabriele Fink Stiftung, der Patriotischen Gesellschaft von 1765 sowie der Kulturbehörde.