Barlach Haus stellt Dichter Ringelnatz als Maler vor
Hamburg (epd).

Im Hamburger Ernst Barlach Haus ist von Sonntag an eine Ausstellung zu sehen, die den Dichter und Kabarettisten Joachim Ringelnatz als Maler vorstellt. Unter der Überschrift „Es hat sich selbst aus mir gemalt“ sind 45 Gemälde Ringelnatz’ zu sehen, die zu zwei Dritteln aus dem privaten Ringelnatz-Museum in Cuxhaven stammen, wie Museumschef Karsten Müller am Freitag erläuterte. Müller sagte, es sei immer wieder von besonderem Interesse, unbekannte Facetten bekannter Namen zu zeigen. Die Schau ist bis zum 7. Februar 2027 zu sehen.

Dass Ringelnatz (1883-1934) heute als Maler kaum bekannt ist, könne mit dem Umstand zusammenhängen, dass 50 seiner 125 bekannten Gemälde verschollen sind, erklärte Ringelnatz-Experte Ulrich Luckhardt von der Hamburger Kunsthalle. „Ab und zu tauchen weitere auf“, er hoffe auf mehr.

Zeitgeschichte der 20er Jahre

Ringelnatz’ Themen kommen aus seinem Seemannsberuf. Immer wieder ist die Stimmung gewittrig und ernst, manches wirke beängstigend. Der „Dachgarten der Irrsinnigen“ etwa zeigt einen Menschen, der vom Dach springt, einen Mann am Galgen, auf den ein anderer schießt und einen Toten, der bewässert wird: „Der einzige Sinn ist Irrsinn“, erklärte Luckhardt.

Dagmar Lott, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Ernst Barlach Haus, ergänzte, die Bilder schilderten die Zeitgeschichte der 20er Jahre, viele hätten auch politische Implikationen. Auffällig an Ringelnatz Arbeiten sei, wie er große Räume mit winzigen Figuren oder Häusern kombiniert.

Gemälde zu Gedichten

Durch den vom Luckhardt und Lott moderierten Rundgang zog sich die „Frage nach der Henne und dem Ei“, ob also das Gedicht oder das Bild zuerst da waren. Es gebe Gemälde, die Gedichten zugeordnet werden könnten. Ringelnatz war zu Lebzeiten als Maler geschätzt. Luckhardt und Lott bekräftigten, er sei von vielen unterstützt worden und konnte noch als Maler arbeiten, als er als Autor nicht mehr veröffentlichen durfte.

Einer der Höhepunkte der Ausstellung sei das Bild „Hafenkneipe“ (1933). Luckhardt erklärte, Vorbild sei Ringelnatz’ Stammkneipe in Berlin gewesen, die heute noch existiert. Auch zu diesem Werk gibt es ein Gedicht, das Ausstellungsbesucher direkt lesen können. Die Kneipe sei ein Schutzraum beschreibt Luckhardt. Ringelnatz habe eine Wand und ein Fenster gemalt, dazu die Silhouette eines Manns mit Hund.

Im letzten Raum der Ausstellung werden ausgewählte Skulpturen von Ringelnatz und Blätter von Ernst Barlach (1870-1938) gegenübergestellt. Barlach, von dem etwa die Skulpturen „verhüllte Bettlerin“ und „frierendes Mädchen“ gezeigt werden, hatte nicht nur die Doppelbegabung mit Ringelnatz gemeinsam. Beide publizierten zudem in der satirischen Zeitschrift „Simplicissimus“.