Monet, Picasso, Cézanne oder Kirchner sind die Lockvögel. Die eigentlichen Hauptpersonen sind fünfzehn jüdische Sammlerinnen, Sammler und Familien. Ihnen widmet das Bucerius Kunst Forum in Hamburg ab Freitag die Ausstellung „Von Monet bis Picasso“. Sie erzählt von Menschen, die moderne Kunst sammelten, förderten und gegen Widerstände verteidigten, später aber vielfach aus der Kunstgeschichte verschwanden. Die Schau ist bis zum 29. März 2027 zu sehen.
Rund 100 Gemälde, Grafiken und Skulpturen aus internationalen Museen und Privatsammlungen werden gezeigt. Kuratiert wird die Schau von Bucerius-Direktorin Kathrin Baumstark und dem Journalisten Stefan Koldehoff. Die ungewöhnlich lange Laufzeit ist gewollt: Möglichst viele Menschen sollen Zeit haben, nach Hamburg zu kommen, „die Geschichten zu erfahren und sich wieder an die Menschen hinter den Bildern zu erinnern“, sagte Baumstark.
Jüdische Sammler waren Vorreiter
Viele dieser Namen sind heute selbst in Fachkreisen kaum noch bekannt. Dabei gehörten jüdische Sammler zu jenen, die sich früh für moderne Kunst interessierten, Künstler unterstützten und sich in Kunstvereinen und Museen engagierten. Eine eigene „jüdische“ Art zu sammeln, habe es dabei nicht gegeben, betonte Koldehoff. Die Nationalsozialisten verfolgten die Menschen, zwangen sie zur Flucht oder ermordeten sie. Ihre Sammlungen wurden beschlagnahmt, unter Zwang verkauft oder auseinandergerissen.
Wie gründlich dabei auch Erinnerung verloren ging, zeigt die Geschichte von Martha und Walter Blank aus Köln. Ihr Enkel Klaus Walter Blank bezeichnet sich ausdrücklich nicht als Zeitzeuge, sondern als Nachfahren. Erst vor wenigen Monaten habe er begonnen, mehr über die Sammlung seiner Großeltern und den Verbleib der Werke zu erfahren. In Hamburg ist davon nur ein einziges Bild zu sehen. Blank hofft, dass die Ausstellung deutlich macht, wie viele Fragen noch offen sind. Die Provenienzforschung müsse erheblich verstärkt werden.
Hamburger Familiengeschichte
Eine andere Familiengeschichte führt direkt nach Hamburg. Maeva Emden, Urenkelin des Kaufhausunternehmers und Kunstsammlers Max Emden, lebt heute wieder in der Stadt ihrer Familie. Seit Jahrzehnten bemühen sich die Nachfahren um die Aufarbeitung des verlorenen Besitzes und die Rückgabe einzelner Kunstwerke. Es gehe ihr um Gerechtigkeit, aber besonders darum, „dass diese Namen nicht vergessen werden“, sagte Emden. Als sie am Mittwoch die fertige Ausstellung betrat, sei das „wie eine versöhnliche Umarmung“ gewesen.
Wie klein der bisher erforschte Ausschnitt ist, zeigt eine Karte der Sammler und Sammlungen. Die 15 Beispiele der Ausstellung seien angesichts der Vielzahl nur „Peanuts“, sagte Baumstark. Als die Arbeit an der Ausstellung vor fünf Jahren begann, habe niemand geahnt, welche politische Aktualität sie 2026 bekommen würde. Gerade jetzt sei es wichtig, ein Zeichen zu setzen.
Kooperierende Ausstellungen
Die Schau steht in Hamburg nicht allein. Das Museum am Rothenbaum (MARKK) beschäftigt sich derzeit in „Zuschreibung: Jüdisch“ mit jüdischem Kulturgut, Provenienzen und der eigenen Geschichte während der NS-Zeit. Im November folgt im Altonaer Museum „Menschen & Orte. Hamburgs jüdische Geschichte“. Die drei Häuser kooperieren und gewähren mit dem Ticket einer Ausstellung ermäßigten Eintritt in die jeweils anderen.
Monet, Picasso, Cézanne oder Kirchner gehören heute zum Olymp der Moderne. In Hamburg werden mit der neuen Ausstellung Menschen wieder sichtbar, die früh erkannten, sammelten und förderten, was damals keineswegs selbstverständlich große Kunst war. Während ihre Bilder blieben und Teil des Kanons wurden, verschwanden viele ihrer Namen. Einige von ihnen holt die Schau im Bucerius Kunst Forum jetzt zurück.