Die evangelische Diakonie Nord Nord Ost entwickelt ein digitales Angebot für psychisch erkrankte Kinder und Jugendliche. Das Projekt „SEAL-App“ wird vom DigitalHub.SH mit 260.000 Euro gefördert, wie das Sozialunternehmen am Mittwoch in Lübeck mitteilte. Eine entsprechende Vereinbarung hatten Schleswig-Holsteins Digitalisierungsminister Dirk Schrödter (CDU) und Diakonie-Geschäftsführer Dirk Wilkesmann am Dienstag in Kiel unterzeichnet.
Bislang bestehe nach einem Klinikaufenthalt oft eine Versorgungslücke. „Im geschützten Rahmen der Klinik gelingt die Stabilisierung der jungen Menschen häufig durch feste Tagesstrukturen, verlässliche Begleitung und eingeübte Strategien“, sagte Oliver Soyka, Chefarzt der Lübecker Fachklinik für Junges Leben. Nach der Entlassung fehle diese Struktur oft, dabei könnten bis zur ambulanten Weiterbehandlung mehrere Wochen vergehen.
App gibt Alltagstipps
Die Anwendung solle wie eine persönliche, digitale Schatzkiste funktionieren und bei Tagesstruktur, Terminen, Aufgaben und Emotionen unterstützen, hieß es. Zudem gebe es Notfall-Tipps in Krisensituationen. „Sie ergänzt damit die eigentliche Behandlung, indem Selbstorganisation und Selbstfürsorge auf dem Weg zurück in den Alltag unterstützt werden“, sagte der Chefarzt. Die Inhalte seien individuell: Jede Schatzkiste werde mit dem gefüllt, was der jeweiligen Person hilft.
Entwickelt werde die App gemeinsam mit dem technischen Dienstleister Viakom, der Techniker Krankenkasse sowie unter direkter Beteiligung der jungen Patientinnen und Patienten, hieß es. Langfristig solle das System als frei zugängliche Open-Source-Lösung zur Verfügung stehen, sagte Geschäftsführer Wilkesmann. Andere Kliniken oder Einrichtungen der Jugendhilfe könnten das Konzept übernehmen und um eigene Inhalte ergänzen.