Der Bischof der Nordkirche, Tilman Jeremias, würdigt die ländlichen Kirchengemeinden in Mecklenburg‑Vorpommern als „Kraftorte traditioneller Kirchlichkeit“. Gerade dort, wo Ressourcen knapper würden, erlebe er Menschen, „die ihren Glauben überzeugt und aktiv leben“, heißt es in von der evangelischen Nordkirche vorab veröffentlichten Auszügen aus seinem Vortrag „Zivilgesellschaftlich engagiert: Was Kirchengemeinden heute (schon) tun“, den er am Dienstag in Rehburg-Loccum hält.
Besonders hebt der Bischof das ehrenamtliche Engagement hervor. Auf den Dörfern begegne er „oftmals den treuen Seelen“, die Kirchen öffnen, Veranstaltungen vorbereiten, Chöre tragen oder Besuchsdienste übernehmen würden. Diese Menschen „halten das kirchliche Leben an der dörflichen Basis am Leben“.
Zugleich verweist der Bischof auf die zahlreichen Fördervereine zum Erhalt der Dorfkirchen - häufig mit einem Anteil von 80 bis 90 Prozent konfessionsloser Mitglieder. „Aber sie engagieren sich für ihre Dorfkirche, kennen ihre Geschichte, lieben diesen Raum und bringen auch Ideen mit, wie dieses Gebäude zu nutzen ist“, sagt Jeremias. Er kritisiert, dass es vielerorts „zum guten Ton“ geworden sei, Kirchengebäude vor allem als Last zu betrachten. „Dabei sind diese unsere Kirchen momentan in einem so guten sanierten Zustand wie in ihrer Jahrhunderte langen Geschichte noch nie.“
Hoffnungsvoller Blick auf die Zukunft der Kirche
Ein Rückzug aus der Fläche sei keine Option: „Daher kann trotz des rasanten Rückgangs finanzieller und hauptamtlicher Ressourcen niemals die Strategie sein, sich als Kirche aus den ländlichen Regionen zurückzuziehen und die Arbeit auf die Städte zu konzentrieren“, erklärt der Bischof. Er wirbt für einen hoffnungsvollen Blick auf die Zukunft der Kirche. Gerade in herausfordernden Zeiten brauche es Menschen, „die beten, Gottesdienste feiern und Nächstenliebe zu leben versuchen“.