Osterfeuer: Beliebter Brauch - aber mit Risiken für den Naturschutz
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Osterfeuer: Beliebter Brauch - aber mit Risiken für den Naturschutz
Hannover, Braunschweig (epd).

Den Winter vertreiben und in geselliger Runde den Start des Frühjahrs feiern - dafür stehen Osterfeuer. Woher aber kommt das Ritual und was muss beachtet werden, damit die Umwelt keinen Schaden nimmt? Wissenswertes rund um die Traditionsfeuer.

Warum entzünden die Menschen Osterfeuer?

Die Menschen feiern mit den Feuern das Wiedererwachen der Natur nach den langen Wintermonaten. Das Feuer symbolisiert Freude und Hoffnung. Es soll Eis und Schnee zum Schmelzen bringen, das Licht die Dunkelheit vertreiben und den Frühling willkommen heißen.

Woher kommt der Brauch?

Osterfeuer gehen auf vorchristliche Bräuche zurück, sie haben ihren Ursprung in heidnischen, germanischen und keltischen Frühjahrsritualen. Die Menschen glaubten, dass die Feuer für fruchtbare Felder sorgen und die Menschen vor Unheil bewahren. Man könne den Brauch aber durchaus christlich uminterpretieren, schreibt die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) auf ihrer Homepage: „Mit der Finsternis ist es bald vorbei, das Licht kommt in die Welt, symbolisiert durch das Feuer.“ So betrachtet ist das lodernde Feuer auch ein Zeichen für den von den Toten auferstandenen Jesu Christi und die Hoffnung, die er in die Welt bringt.

Wann finden in diesem Jahr Osterfeuer statt?

Die Osterfeuer werden während des Osterwochenendes entzündet, also von Karfreitag, 3. April, bis Ostermontag, 6. April 2026. Die meisten Osterfeuer werden am 4. April, dem Ostersamstag, lodern.

Wer lädt zu Osterfeuern ein?

Oft sind die Veranstalter Freiwillige Feuerwehren sowie Vereine, wie etwa Heimat- und Schützenvereine oder die Landjugend. Auch Gasthöfe und Kirchengemeinden laden teilweise zu den Brauchtumsfeuern ein. Privatpersonen können ebenfalls Osterfeuer anbieten. Sie müssen jedoch bei den örtlichen Ordnungsämtern frühzeitig angemeldet werden, alle erforderlichen Brandschutzauflagen erfüllen und einen öffentlichen Charakter haben. Letzteres sei „wesentlicher Bestandteil des Brauchtums“, betont die Stadt Braunschweig. Private, unangemeldete Osterfeuer sind in Niedersachsen seit 2015 verboten.

Was darf verbrannt werden?

Osterfeuer dürfen auf keinen Fall für die Abfallbeseitigung missbraucht werden, betont die Stadt Braunschweig. Verbrannt werden dürfe nur der im Rahmen des jährlichen Pflanzenschnitts anfallender Baum- und Strauchschnitt, etwa Reisig, Zweige, Äste. Haus- und Sperrmüll, alte Möbel, auch, wenn sie aus Holz sind, gehören nicht ins Osterfeuer.

Ab wann dürfen Osterfeuer aufgeschichtet werden?

Städte, Kommunen und Gemeinden empfehlen, den Holzschnitt frühstens ein bis zwei Wochen vor dem Abbrennen des Osterfeuers aufzuschichten - auch aus Gründen des Tierschutzes. So weisen der Naturschutzbund (Nabu) und der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) darauf hin, dass die großen Holz- und Reisighaufen idealer Unterschlupf für Kleintiere, wie Insekten, Kröten, Kleinvögel, Igel, Kaninchen, Mäuse und Wiesel sind.

Was ist im Sinne des Naturschutzes noch zu beachten?

Damit die Tiere nicht ersticken oder verbrennen, ist am Veranstaltungstag die Umschichtung des Haufens wichtig. Danach sollten sich die Menschen Tierschützern zufolge für einige Zeit entfernen, damit sich Kleintiere ohne Angst in Sicherheit bringen können. Umweltschutzverbände weisen auch darauf hin, dass die offizielle Brutzeit der Vögel nach dem Bundesnaturschutzgesetz am 1. März beginnt. Deswegen sei es keine gute Idee, kurz vor dem Abbrennen des Osterfeuers noch schnell Hecken und Gebüsche zu schneiden, um das Schnittgut mit verbrennen zu können.

Was passiert nach dem Abbrennen mit der Asche?

Entgegen weitverbreiteter Ansicht dürfe die Asche nicht zu Düngezwecken in der Landwirtschaft oder in Hausgärten verwendet werden, unterstreicht die Stadt Braunschweig. Die Asche enthalte Schadstoffe und sei deshalb als Abfall zu entsorgen.

Wo gibt es besondere Osterfeuer?

In dem kleinen Ort Lüdge im Weserbergland bei Bad Pyrmont an der Grenze zwischen Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen werden am Ostersonntag brennende, mit Stroh gestopfte Eichenräder vom 285 Meter hohen Osterberg ins Emmertal heruntergerollt. Die traditionellen Flammenräder erreichen eine Geschwindigkeit von 60 Kilometern pro Stunde und sind seit 2018 immaterielles Kulturerbe der Unesco. Auch auf der Nordseeinsel Borkum gibt es eine besondere Tradition: Für das Osterfeuer werden vier große Baumstämme, die sogenannten „Stöner“, im Dünensand verankert und das Brennholz wird dazwischen aufgeschichtet.

Von Julia Pennigsdorf