Celler Bieneninstitut: Seit 99 Jahren Arbeit im Takt der Natur
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Celler Bieneninstitut
Celle (epd).

Es summt und brummt rund um den traditionellen Bienenkorb im Garten des Bieneninstituts in Celle. Gertje Petersen steht daneben und beobachtet das Treiben. „Die sind im Moment echt aufgeregt“, sagt sie. „Da müssen wir mal schauen, was die gerade stört“, fügt die promovierte Tiermedizinerin an und ruft einen weiteren Mitarbeiter, der sich das Bienenvolk einmal ansehen soll. Als Leiterin des Bieneninstitutes obliegt es Petersen, alles rund um Honigproduktion, Bestäubung und Bienenzucht im Blick zu haben. „Da wollen wir natürlich, dass es unseren Insekten gut geht“, sagt sie mit einem Lachen.

So idyllisch das im Jahr 1927 gegründete Bieneninstitut am Rande des französischen Gartens aus dem 17. Jahrhundert in der niedersächsischen Stadt auch gelegen ist, so wenig verträumt ist die tägliche Arbeit, die dort geleistet wird. Mit seinen rund 800 eigenen Bienenvölkern und insgesamt acht Ausbildungsplätzen ist das Institut Deutschlands größter Ausbildungsbetrieb für den Beruf des Tierwirts in der Fachrichtung Imkerei. Bundesweit gibt es rund 50 anerkannte Ausbildungsbetriebe - ein Dutzend davon sind Bieneninstitute.

Zwischen Hobby und Beruf

Drei Jahre lang lernen die angehenden Berufsimkerinnen und -imker in ihren Betrieben den fachgerechten Umgang mit Bienen sowie die Standards, etwa zur Königinnenzucht und Honiggewinnung. „Hauptberufliche Imkerinnen und Imker machen aber nur einen geringen Teil der Imkerschaft aus“, sagt Petersen. So gibt etwa der Deutsche Imkerbund an, dass kaum ein Prozent seiner rund 137.000 Mitglieder Imkerei erwerbsmäßig betreibt; Petersen nennt Imkerei „zu 98 Prozent Hobby“.

Insgesamt gibt es dem Imkerbund zufolge deutschlandweit rund 143.000 Imkerinnen und Imker, die etwa 964.000 Bienenvölker betreuen. Und obwohl der volkswirtschaftliche Nutzen der Bestäubungstätigkeit der Honigbienen allein in Deutschland Schätzungen zufolge jährlich bei rund zwei Milliarden Euro liegt, kommt Petersen zu einem nüchternen Fazit: „Bestäubung ist in Deutschland nicht großartig organisiert und wird in der Regel nicht entlohnt - spezielle Bestäubungsimkerei etwa in Gewächshäusern ausgenommen.“

Bundesweite Bedeutung für die Imkerei

An Hobbyimker in Vereinen und Verbänden gibt das Celler Bieneninstitut sein Fachwissen aus Mangel an Kapazitäten nicht direkt, sondern über Multiplikatoren-Schulungen weiter. „Wir sind allerdings die einzige fachspezifische Berufsschule für Imkerei bundesweit“, betont Petersen. Angehenden Berufsimkerinnen und -imkern aus ganz Deutschland ist Celle damit ein Begriff, denn im Rahmen ihrer Ausbildung absolvieren alle einen dreimonatigen Schulungsaufenthalt im Institut. „Das machen wir in den Wintermonaten, denn in der Imkerei müssen und möchten wir uns dem Rhythmus der Tiere anpassen.“

„Pollenanalyse und Sortenbestimmung beschäftigen uns vornehmlich im Sommer“, beschreibt es Petersen. Rund 2.500 bis 3.000 Proben werden hauptsächlich von April bis August durchschnittlich bearbeitet, sagt die Institutsleiterin. „Sogenannte Trachtangaben wie Rapshonig oder Sonnenblumenhonig dürfen nämlich nur verwendet werden, wenn der betreffende Honig zu mehr als 50 Prozent den entsprechenden Blüten oder Pflanzen entstammt.“

Wichtige Atteste für den Transport

In den Monaten von September bis März steht dann die Krankheitsdiagnostik im Vordergrund. Rund 6.500 bis 8.000 Proben etwa auf amerikanische Faulbrut - eine in Deutschland anzeigepflichtige Bienenkrankheit - würden jährlich bearbeitet. „Bienenvölker erhalten dann von uns ein Gesundheitszeugnis, das für die Imkerinnen und Imker entscheidend wichtig ist“, sagt Petersen. Da Bienen nur über einen bestimmten Flugradius verfügten, würden die Völker zur Honigproduktion in der Regel zu den Blüten gebracht. Es dürfen aber nur Bienenvölker über Kreisgrenzen hinweg transportiert werden, die nachgewiesen gesund sind.

Sie selbst fasziniere das komplexe Sozialverhalten der Bienen, verrät Petersen. „Ihr hoher Organisationsgrad, aber auch die Tatsache, dass wir als Menschen schon sehr lange mit den Bienen arbeiten.“ Dazu komme, dass die Europäische Honigbiene durch das Vorkommen der Varroa-Milbe sehr stark von menschlicher Betreuung abhängig sei, sich aber gleichzeitig sehr viele Charakteristika eines Wildtieres erhalten habe.

Die Faszination der Imkerei

Eine besondere Faszination für die Tiere eint nach Petersens Beobachtung Imkerinnen und Imker rund um den Globus. Sie selbst habe jahrelang unter anderem in Neuseeland große Imkereien beraten und auch in weiteren Ländern gearbeitet. „Man trifft eigentlich überall auf der Welt sehr ähnliche Typen von Menschen wieder, die sich mit Bienen befassen“, sagt sie. „Die meisten sind ruhig, vielleicht ein wenig in sich gekehrt, aber dennoch planvoll und bereit, sich ganz auf die Tiere und ihre Natur einzulassen.“

Von Björn Schlüter (epd)