Paritätischer: Wohngeldkürzung steigert die Armutsquote
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Hannover (epd).

Der Paritätische Wohlfahrtsverband in Niedersachsen lehnt die von der Bundesregierung geplanten Kürzungen beim Wohngeld ab. Diese würden vor allem Familien mit Kindern, Erwerbstätige mit niedrigen Einkommen und Rentner mit kleinen Renten treffen. „Das Wohngeld ist eine der wirksamsten Leistungen gegen Armut und ausgerechnet hier will der Bund kürzen“, kritisierte die niedersächsische Verbandsvorsitzende Kerstin Tack am Mittwoch in Hannover.

Der Wohlfahrtsverband verwies auf eine neue Kurzexpertise seiner Forschungsstelle, die auf Daten des Statistischen Bundesamtes zur Armutsgefährdung basiert. „In Niedersachsen ist schon heute mehr als jede sechste Person von Armut betroffen“, sagte Tack. In sämtlichen Bundesländern lägen die Armutsquote und die Zahl der armutsbetroffenen Menschen unter Berücksichtigung des Wohngeldes niedriger als ohne. In Niedersachsen blieben durch das Wohngeld rund 39.000 Menschen oberhalb der Armutsschwelle.

Besonders Kinder betroffen

70 Prozent der Haushalte mit Wohngeldbezug sind laut dem Paritätischen Haushalte mit Kindern. Die Mehrheit der Menschen in Wohngeldhaushalten lebe von Erwerbs- oder Renteneinkommen. Lediglich 3,8 Prozent der Menschen in Wohngeldhaushalten seien arbeitslos.

Laut der Studie bringen die Kürzungen auch keine echten Einsparungen. Bundesweit würden rund 163.000 Haushalte durch den Wegfall des Wohngeldes auf andere Sozialleistungen angewiesen sein, vor allem auf die Grundsicherung, hieß es. Nötig seien vielmehr Investitionen in den sozialen Wohnungsbau. Auch das Land stehe dabei in der Verantwortung. Es brauche wirksame Instrumente gegen überhöhte Mieten und Mietwucher, gerade in den angespannten städtischen Wohnungsmärkten, betonte Tack.

Das Bundeskabinett hat Anfang Juli umfangreiche Einschränkungen beim Wohngeld auf den Weg gebracht. Ein Drittel der bisherigen Wohngeldhaushalte werde die Leistung künftig nicht mehr bekommen, hieß es nach der Kabinettssitzung aus dem Bundesbauministerium. Die anderen Haushalte erhalten demnach weniger Wohngeld als bisher. Zum Jahresende 2024 bezogen laut Statistischem Bundesamt etwa 1,24 Millionen Haushalte in Deutschland Wohngeld. Der durchschnittliche Anspruch lag bei 287 Euro pro Monat.