Der Anteil der Raucher sinkt - besonders unter Jugendlichen
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Jugendliche rauchen Zigaretten
Dennoch greift noch immer jeder Vierte regelmäßig zur Zigarette
Hannover, Berlin (epd).

Wo haben die Menschen in den Achtzigern in Deutschland nicht überall geraucht: bei der Arbeit, in Zügen und Flugzeugen, in Restaurants und Einkaufszentren, in den Lehrerzimmern der Schulen, sogar in Kinos und Theaterfoyers. Das Image der Zigarette reichte von schick über cool bis weltoffen. Diese Zeiten sind lange vorbei, die gesundheitlichen Gefahren von Zigaretten hinlänglich bekannt. Zahlen und Fakten rund um den Glimmstängel.

Wie viele Menschen rauchen?

In Deutschland rauchen laut Bundesgesundheitsministerium aktuell rund 20 Prozent der über 18-Jährigen - 23 Prozent der Männer und 17 Prozent der Frauen. Dem Tabakatlas 2025 zufolge gibt es in der Gruppe der jungen Erwachsenen im Alter von 18 bis 29 Jahren die meisten Raucher: Mehr als 40 Prozent der Männer und rund 30 Prozent der Frauen rauchen in dieser Altersgruppe. Niedersachsen liegt im Bundesländervergleich mit knapp 23 Prozent Rauchern im Mittelfeld, in Bremen greifen 27 Prozent der Erwachsenen zur Zigarette. Am wenigsten Raucher gibt es in Bayern (21 Prozent), am meisten in Mecklenburg-Vorpommern (29 Prozent). Der Tabakatlas wird seit 2009 vom Deutschen Krebsforschungszentrum und der Deutschen Krebshilfe herausgegeben.

Wie haben sich die Zahlen entwickelt?

Anfang der 1980er Jahre lag die Raucherquote in Deutschland bei über 30 Prozent. Besonders hoch war sie bei jungen Menschen. 1979 rauchten laut dem Statistikportal Statista in der Altersgruppe der 12- bis 25-Jährigen fast die Hälfte der jungen Männer und 40 Prozent der Frauen. Seit den Achtzigern ist der Anteil der Raucher zurückgegangen - insbesondere bei Jugendlichen.

Das Bundesnichtraucherschutzgesetz ist am 1. September 2007 in Kraft getreten. Seitdem gilt ein Rauchverbot in Einrichtungen des Bundes sowie in öffentlichen Verkehrsmitteln. Etwa zur gleichen Zeit folgte das Rauchverbot in der Gastronomie. Die Ausgestaltung ist Ländersache - in manchen Bundesländern sind separate Raucherräume zulässig, andere Länder verbieten das Rauchen in Gaststätten, Restaurants und Kneipen komplett.

Welche Gesundheitsgefahren drohen durch das Rauchen?

Rauchen ist dem Robert Koch-Institut zufolge in den Industrienationen das bedeutendste einzelne Gesundheitsrisiko und die führende Ursache vorzeitiger Sterblichkeit. Allein in Deutschland sterben an den Folgen des Rauchens jedes Jahr etwa 127.000 Menschen. Weltweit sind es laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) mehr als sieben Millionen Menschen, darunter schätzungsweise 1,6 Millionen Nichtraucher, die Passivrauch ausgesetzt sind.

Zu den Erkrankungen, die bei Raucherinnen und Rauchern vermehrt auftreten, gehören beispielsweise Herz-Kreislauf-, Atemwegs- und Krebserkrankungen. In Deutschland lassen sich rund 87 Prozent der Lungenkrebsfälle auf Rauchen zurückführen. Rauchen ist ferner der bedeutendste vermeidbare Risikofaktor für eine Krebserkrankung der Lippe, Mundhöhle, Luft- und Speiseröhre, der Bronchien sowie des Rachens und Kehlkopfs.

Was ist eigentlich Nikotin?

Nikotin ist eine chemische Verbindung, die zu den Alkaloiden zählt. In Tabakpflanzen (Nicotiana tabacum) kommt Nikotin besonders hoch dosiert vor. Die zu den Nachtschattengewächsen gehörenden Pflanzen schützen sich mit dem Nervengift vor Fressfeinden wie Insekten.

Nikotin ist eine psychoaktive Substanz, die auf das Nervensystem des Menschen wirkt. In größeren Mengen ist Nikotin giftig. Vergiftungserscheinungen reichen dosisabhängig von Übelkeit über Atemnot bis - in seltenen Fällen - zum Tod. Nikotin gelangt am schnellsten und effektivsten über die Lunge in den Körper und erreicht das Gehirn innerhalb von 15 bis 20 Sekunden.

Wieso macht Rauchen abhängig?

Nikotin löst laut Tabakatlas die Ausschüttung von Dopamin und anderen Botenstoffen aus, was ein Wohlgefühl erzeugt. Bei regelmäßigem Tabakkonsum entstehen immer mehr Nikotinrezeptoren im Gehirn und größere Mengen Nikotin sind nötig, um die gleiche Wirkung zu erzielen oder Entzugssymptome zu vermeiden.

Wie hängen sozialer Status und Rauchen zusammen?

Der Deutschen Krebshilfe zufolge ist Rauchverhalten stark sozial geprägt. Je höher der Schulabschluss, desto niedriger ist der Raucheranteil. Bei 18- bis 25-Jährigen war der Anteil der Raucher im Jahr 2023 unter Menschen ohne Schulabschluss mehr als doppelt so hoch wie unter Abiturienten. Laut WHO leben etwa 80 Prozent der weltweit 1,3 Milliarden Tabakkonsumenten in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen.

Wie gefährlich sind E-Zigaretten und Nikotin-Pouches?

Ärzten zufolge bergen auch E-Zigaretten Gesundheitsrisiken. Im Vergleich zu Tabakrauch enthalte das Aerosol zwar weniger schädliche Substanzen als richtige Zigaretten. Doch auch im Aerosol der E-Zigaretten seien krebserzeugende Stoffe gefunden worden: Formaldehyd, Acetaldehyd und Acrolein sowie Nickel, Chrom und Blei.

Zu den vorwiegend bei jungen Menschen beliebten Nikotin-Pouches gibt es laut Tabakatlas bisher keine gesicherten Daten. Die Pouches werden zwischen Lippe und Zahnfleisch geklemmt. Sie enthalten keinen Tabak, und es findet keine Verbrennung wie beim Rauchen statt, sodass gesundheitliche Risiken mutmaßlich geringer sind. Doch auch das Nikotin könne abhängig machen, warnen Experten. In Deutschland dürfen Nikotinbeutel nicht verkauft werden, sie sind aber über das Internet erhältlich. Etwa jeder siebte Schüler und jede zehnte Schülerin im Alter von 16 bis 17 Jahren hat den Angaben zufolge schon einmal Nikotin-Pouches konsumiert.

Von Julia Pennigsdorf (epd)