„Mit diesem Spiel können sie alles gewinnen oder alles verlieren“, sagt Schauspieler Daniel Brühl, bevor er den braunen Lederball in die Mitte der Wiese platziert. Die Filmszene zeigt eins der ersten Fußballspiele im damaligen deutschen Kaiserreich. Brühl spielt in der Verfilmung „Der ganz große Traum“ (2011) Konrad Koch: den Lehrer, der im Jahr 1874 das Fußballspiel in Deutschland einführte. Der eher unbekannte Pionier des deutschen Fußballs wurde am 13. Februar vor 180 Jahren in Braunschweig geboren.
Autor Rainer Moritz hat im Jahr 2011 das Buch zum Film geschrieben. „Die Jugendlichen und Kinder sollten nach Meinung von Koch weg von der Straße und sich ertüchtigen, aber nicht nur mit Turnen“, sagt Moritz. Koch sah in der Sportart eine Möglichkeit, Disziplin und Teamgeist zu fördern.
Einst als „Fußlümmelei“ verspottet
Kritik hagelte es unter anderem aus der Turnerschaft, die damals die Sportart Nummer eins stand. Aber auch aus politischen Gründen und aufgrund der Rivalität zu Großbritannien stieß Koch auf Widerstand. Das Spiel wurde als „Fußlümmelei“ oder „englische Krankheit“ bezeichnet. In der verfilmten Geschichte muss Koch sich ebenfalls gegen den Vorstand der Schule rechtfertigen. „Dieses weibische Getrete hat an einer deutschen Schule keinen Platz“, schimpft ein Vater.
Koch hatte Moritz zufolge eine erfolgreiche Strategie angewendet, um den Fußball auch in Deutschland populär werden zu lassen: Als Lehrer für alte Sprachen und Deutsch habe er die englischen Fußballbegriffe ins Deutsche übersetzt. Viele von ihnen wie „Abseits“ oder „Ecke“ sind bis heute gültig.
Koch schuf erste Fußballregeln
Bereits 1875 veröffentlichte Koch die ersten Fußballregeln, die laut dem Literaturwissenschaftler Moritz aber nur entfernt mit den heutigen übereinstimmen. Damals habe der Ball eher eine Rugby-Form gehabt und konnte mit den Händen aufgenommen werden. „Man durfte auch bestimmte Fouls begehen, die heute im Fußball undenkbar sind.“
Innerhalb kürzester Zeit setzt sich das Fußballspiel durch, deutschlandweit entstanden erste Vereine. „Es war sehr beeindruckend, wie sehr Koch an dieser Spielidee festgehalten hat“, sagt Moritz. Anders als im Film sei er allerdings selbst nie in England gewesen. Den Lederball erhielt er von einem Kollegen und war auch nicht alleine federführend der Entwickler des Spiels.
Konrad-Koch-Turnier erinnert an den Fußballpionier
Der Film zeigt allerdings anschaulich, wie Koch als Pädagoge des Braunschweiger Martino-Katharineums die Schüler für den Sport nach und nach begeistert. Noch heute erinnert das mehr als 600 Jahre alte Gymnasium an den früheren Lehrer. Einmal im Jahr tragen die fünften und sechsten Klassen ein Konrad-Koch-Turnier aus, sagt Sportlehrer Tim Albrecht. Allerdings nach aktuellen Regeln, betont er. „Somit ist jeder Schüler mit dem Namen Konrad Koch in Berührung gekommen.“
In Braunschweig wurden insbesondere zum 100. Todestag im Jahr 2011 mehrere Erinnerungsorte geschaffen. Eine Infotafel am Schulgebäude fasst seine Biografie zusammen, eine weitere findet sich am Ort der „Geburtsstunde des deutschen Fußballs“: Auf dem früheren kleinen Exerzierplatz, auf dem das erste Spiel ausgetragen wurde, befinden sich inzwischen das Naturhistorische Museum und das Haus der Wissenschaft. Seit 2011 gibt es in der Stadt auch ein Konrad-Koch-Stadion.
Vor allem in der Fußballsprache lebt Koch fort
Der Mann mit dunklem Vollbart, der auf einem Archivfoto eher ernst in die Kamera blickt, ist trotz prominenter Verfilmung heute wohl kaum jemandem bekannt, vermutet Autor Moritz. „Wenn sie jetzt auf der Straße klassische Fußballfans nach Konrad Koch fragen, selbst die historisch Interessierten, werden sie wohl nicht so wahnsinnig viele Antworten bekommen.“ Insbesondere in der deutschen Fußballsprache habe er aber dauerhafte Spuren hinterlassen.