Gut vernetzt und eigensinnig: Ausstellung würdigt Kunst-Pionierinnen
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Kunsthalle Bremen: Ausstellung würdigt Kunst-Pionierinnen
Bremen (epd).

Bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts wurden Frauen in der Kunst kaum beachtet. Doch sie zeichneten, malten, fertigten Druckgrafiken und organisierten Ausstellungen - obwohl ihnen der Zugang zu staatlichen Akademien und professionellen Ausbildungsmöglichkeiten verwehrt war, sagte der Direktor der Kunsthalle Bremen, Christoph Grunenberg, am Dienstag bei der Vorstellung der neuen Ausstellung „Mehr Frauen! Bremer Künstlerinnen auf Papier“. Die Ausstellung läuft von diesem Mittwoch bis zum 8. November.

Die Schau bildet laut Grunenberg den Abschluss des Forschungsprojekts „Handzeichnungen HB“, in Anspielung auf die Hansestadt Bremen und die Bezeichnung für mittelharte Bleistifte. Mehr als 1.800 Zeichnungen der eigenen Sammlung seien untersucht, digitalisiert und katalogisiert worden. Das unerwartete Ergebnis: Im Verhältnis zum männlich geprägten Gesamtbestand der Kunsthalle birgt das Kupferstichkabinett des Hauses überraschend viele Zeichnungen von Bremer Künstlerinnen aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Fast ein Viertel der Werke stamme von Frauen.

Worpswede und Paula Modersohn-Becker

Die wohl bekannteste Malerin dieser Zeit ist die Worpsweder Künstlerin Paula Modersohn-Becker. Sie genießt laut der Kuratorin Friederike Quander heute weltweiten Ruhm. Weniger bekannt seien jedoch ihre Mitstreiterinnen, die ebenfalls in der Bremer Kunstszene aktiv waren, darunter Clara Rilke-Westhoff, Marie Bock, Anna Plate, Margarethe von Reinken, Agnes Sander-Plump, Dora Bromberger, Elisabeth Noltenius, Gustava Tölken oder Olga Bontjes van Beek.

In der Ausstellung soll eine Auswahl von 60 Arbeiten von der Schaffenskraft dieser Frauen berichten, erläuterte die Kuratorin. Ihre Motive seien vielfach geprägt durch detaillierte Landschaftsbetrachtungen, Stillleben oder Porträts. Auch das ikonische Werk „Liegender weiblicher Akt mit Säugling in den Armen“, das Paula Modersohn-Becker 1906 mit Kohle zeichnete, sei in der Schau zu sehen. Viele der anderen Werke seien hingegen noch nie ausgestellt worden.

Solidarität unter Künstlerinnen

Die Ausstellung beleuchte zudem die Verbindungen zwischen den Künstlerinnen sowie ihre Verwurzelung in Bremen und dem Umland wie in den Orten Worpswede, Fischerhude und Dötlingen, erläutert Quander. Dort hätten die Künstlerinnen zusammen mit ihren Lehrern quasi Tür an Tür gelebt. Dieser inoffizielle Lernweg sei eine bewusste Gegenbewegung zu den damals üblichen Ausbildungen an den Akademien gewesen.

Die Ausstellung zeige zudem die Vernetzung und gegenseitige Unterstützung der Frauen untereinander. Bereits 1899 hätten sich Künstlerinnen zum „Bremer Malerinnenverband“ zusammengeschlossen, unter anderem, um eigene Ausstellungen realisieren zu können. Außerdem habe sich 1926 in Hamburg die „Gemeinschaft deutscher und oesterreichischer Künstlerinnen und Kunstfreundinnen“ - kurz GEDOK -gegründet, die schon 1928 einen Ableger in Bremen hatte und in diesem Jahr ihr 100-jähriges Bestehen feiert.

Von Jörg Nielsen (epd)