Pädagogin zu Gewalt an Schulen: Junge Menschen brauchen Vorbilder
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Die Landauer Erziehungswissenschaftlerin Anne Deckwerth

Die Bildung von Kindern und Jugendlichen muss der Gesellschaft mehr wert sein, appelliert eine Landauer Erziehungswissenschaftlerin. Junge Menschen, die von ihrem persönlichen Umfeld aufgefangen werden, hätten gute Startbedingungen ins Leben.

Landau (epd). Das Problem von Gewalt an Schulen kann nach Einschätzung der Landauer Erziehungswissenschaftlerin Anne Deckwerth nur durch mehr Investitionen in die Bildung von Kindern und Jugendlichen angegangen werden. „Die Kinder sind uns anvertraut, es ist unsere Aufgabe als Gesellschaft, ihnen allen Bildungschancen zu eröffnen“, sagte die Förderschullehrerin und Dozentin dem Evangelischen Pressedienst (epd). Deckwerth ist stellvertretende Leiterin des Erziehungswissenschaftlichen Fort- und Weiterbildungsinstituts (EFWI) der evangelischen Kirchen in Rheinland-Pfalz in Landau. Junge Menschen benötigten Vorbilder, positive Erfahrungen und Möglichkeiten, am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen.

Ein gesellschaftlicher Konsens sei nötig, dass mehr finanzielle Mittel in die schulische Bildung fließen müssten, sagte Deckwerth. Schulen sollten als „Lebensraum“ für Kinder, Eltern und Lehrkräfte gestaltet werden. Dort sollte eine Kultur des Respekts und der gegenseitigen Wertschätzung aufgebaut werden. In der Lehrerausbildung sollte der Umgang mit verhaltensauffälligen Kindern stärker eingeübt werden. „Nicht die Kinder sind das Problem, es ist vielmehr ihr Verhalten“, sagte Deckwerth. Die Dozentin engagiert sich am EFWI in der Aus- und Weiterbildung von Lehrkräften aus ganz Rheinland-Pfalz. Zudem lehrt sie Grundschulpädagogik an der Rheinland-Pfälzischen Technischen Universität Kaiserslautern-Landau (RPTU) am Campus Landau.

Eigene Gewalterfahrungen können zu Gewalt führen

Fehlende Lebensperspektiven, Ausgrenzung, Diskriminierung und eigene Gewalterfahrungen seien die Hauptgründe, weshalb junge Menschen an ihren Schulen auch gewalttätig würden, machte die Sonderpädagogin deutlich. „Dies erhöht die Gefahr, vom Opfer zum Täter zu werden“, sagte sie auch vor dem Hintergrund der gewaltsamen Vorfälle an der Ludwigshafener Karolina-Burger-Realschule plus. Die Schule mit hohem Anteil migrantischer Schülerinnen und Schüler sorgte bundesweit für Aufsehen: Dort kam es zu zahlreichen Körperverletzungen und Sachbeschädigungen, Schüler und Lehrer wurden bedroht. Lehrkräfte monierten, an der Schule sei kein strukturierter Unterricht mehr möglich.

Die Folge von Ausgrenzung, mangelnden Lebenschancen und auch Armut wirke sich extrem negativ auf das „Selbstwirksamkeitsgefühl“ von Schülerinnen und Schülern aus, sagte Deckwerth. Schlechte Sprachkenntnisse verschärften noch die Situation: Dies sorge bei den Betroffenen zu Frustrationen und Wut, was sich auch in „herausforderndem Verhalten“ wie Respektlosigkeit und Gewalt äußern könne. Das Gefühl von Schülerinnen und Schülern, „abgehängt“ und mit ihren Problemen allein gelassen zu sein, bedrohe letztlich auch die Demokratie, warnte Deckwerth. „Es ist ein Nährboden für Extremismus“.

EFWI: https://s.epd.de/3qku

epd-Gespräch: Alexander Lang