Altkleider-Container quellen über
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Karlheinz Weinert, Vorsitzender des Ortsvereins des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) Bad Vilbel, mit Säcken voller Textilien aus einem Altkleidercontainer

Wohin mit alten Textilien: in den Restmüll oder Altkleidercontainer? Viele Menschen sind verwirrt. Aber eigentlich ist es ganz einfach.

Bad Vilbel (epd). „Wenn aus dem Kleidungsstück kein sauberer Putzlappen mehr gemacht werden kann, gehört es in den Restmüll“, erklärt Karlheinz Weinert. Er ist Vorsitzender des Ortsvereins des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) in Bad Vilbel. Durch diese Faustregel wird deutlich, dass verunreinigte Kleidung, etwa mit Schmieröl oder Blut, in den Restmüll gehört. Kleidung hingegen, die lediglich verschlissen ist, darf und soll in den Altkleidercontainer. So können alte Textilien weiterverwendet oder recycelt werden, zum Beispiel als Malervlies, Dämmstoff oder Autoverkleidung. Ebenso werden Textilien ins Ausland verkauft.

Seit Beginn des Jahres 2025 ist die getrennte Sammlung von Textilabfällen in der Europäischen Union Pflicht. Die deutsche Bevölkerung müsste durch die neue EU-Richtlinie eigentlich nichts ändern, betont Weinert. Doch Aussagen, dass Textilien nicht mehr in den Restmüll geworfen werden dürften, hätten viele Menschen verwirrt und Container zum Überquellen gebracht.

Verwerterbetriebe in der Krise

Das Problem wird dadurch verschärft, dass die Verwerter- und Sammlerbetriebe von Textilien in einer Krise stecken. Für alte Kleidung gibt es kaum noch Geld. Das liegt unter anderem an Fast Fashion, also dem Trend, Kleidung billig herzustellen - häufig aus Stoffen mit hohem Polyesteranteil. In einem Interview mit der „Rheinischen Post“ sagte Umweltbundesminister Carsten Schneider (SPD), dass er bis diesen Sommer einen Gesetzentwurf plane, der Hersteller von Fast Fashion in die Pflicht nehme, sich an den Entsorgungskosten zu beteiligen.

Silke Zuschlag, Leiterin des DRK-Ladens in Bad Vilbel, kann sich noch glücklich schätzen. Vor ihrem Second-Hand-Laden steht ein Altkleider-Container, den sie drei Mal pro Woche leert. In dem Container habe es schon alles gegeben - von einer toten Ratte im Käfig bis hin zum neuen Mantel im Wert von 899 Euro mit Preisschild, berichtet Zuschlag. Die besten Stücke, etwa 20 Prozent, behalte sie für den Verkauf im DRK-Laden.

DRK muss Hilfen kürzen

Der Rest geht an den Familienbetrieb S.K.C. Textilrecycling mit Sitz in Hasselroth im Main-Kinzig-Kreis. Zuschlag erhalte einen guten Kilopreis, da man sich seit Jahren kenne und ein Vertrauensverhältnis bestehe, sagt Mario Nocerino, Betriebsleiter bei S.K.C. Den genauen Preis möchte er nicht nennen. Man sei gezwungen, die Kilopreise teilweise alle zwei Monate anzupassen, sagt er. Bis vor zwei Jahren seien die Preise deutlich stabiler und höher gewesen. „Ich sehe kein Licht am Ende des Tunnels, aber wir kämpfen jeden Tag“, sagt Nocerino.

Weinert berichtet, dass das DRK Bad Vilbel bisher durchschnittlich rund 25.000 Euro im Jahr durch Altkleider eingenommen habe. In diesem Jahr würden es aufgrund der stark gefallenen Verwerterpreise wahrscheinlich höchstens 3.000 Euro sein. Dies gehe auch zulasten der vom DRK angebotenen Projekte. So müsse voraussichtlich eine Hausaufgabenhilfe für mittellose Kinder in Münzenberg eingestellt werden, da sie durch die geringen Einnahmen nicht mehr finanziert werden könne.

DRK Kleiderladen Bad Vilbel: https://s.epd.de/3qft

Von Charlotte Mattes (epd)