ZDF entschuldigt sich für Beitrag über US-Einwanderungsbehörde
s:25:"Zdf-Sendezentrum in Mainz";
Zdf-Sendezentrum in Mainz

Ein ZDF-Beitrag zum Vorgehen der US-Behörden gegen Einwanderer enthielt ein KI-generiertes Video ohne Hinweis darauf. Der Sender sprach anfangs von einem „technischen Fehler“, stellte später aber klar: Der Bericht hätte nicht gesendet werden dürfen.

Mainz (epd). Nach Kritik an einem Bericht des „Heute Journals“ vom 15. Februar zu Einsätzen der US-Einwanderungsbehörde ICE hat das ZDF Fehler eingeräumt. „Der Beitrag entspricht nicht unseren Standards und hätte in dieser Form nicht gesendet werden dürfen“, erklärte die stellvertretende Chefredakteurin Anne Gellinek am 17. Februar. In dem Bericht über das rigide Vorgehen gegen Einwanderer war ein KI-generiertes Video von einer Festnahme ohne entsprechende Kennzeichnung gezeigt worden. Außerdem wurde Archivmaterial aus dem Jahr 2022 verwendet, das die Festnahme eines Minderjährigen nach einer Amokdrohung zeigt und in keinem Zusammenhang mit den ICE-Einsätzen stand.

Nach Kritik an dem Beitrag hatte das ZDF die Ausgabe des „Heute Journals“ zunächst aus der Mediathek gelöscht. In einer zwischenzeitlich abrufbaren korrigierten Fassung wurden die falschen Videosequenzen durch Standbilder ersetzt. Am 17. Februar verschwand die Ausgabe der Sendung dann erneut aus der Mediathek. Der Sender kündigte an, er werde an gleicher Stelle im „Heute Journal“ „korrigierend berichten“.

Unklarheit über Intention des Berichts

Anfangs hatte das ZDF von einem technischen Versehen gesprochen. „Der Beitrag zeigt, dass sowohl mit echten als auch mit KI-generierten Bildern ein Klima der Angst erzeugt wird“, teilte ein Sprecher dem Evangelischen Pressedienst (epd) am 17. Februar in einer schriftlichen Stellungnahme mit. „Wir bedauern, dass dabei nicht deutlich genug wurde, welche Bilder real sind und welche nicht.“ In dem eigentlichen Bericht des ZDF-Studios New York war der Einsatz von Fake-Videos zur Einschüchterung von Einwanderern allerdings an keiner Stelle Thema.

Lediglich in der Anmoderation hatte „Heute Journal“-Moderatorin Dunja Hayali erklärt, von den brutalen ICE-Einsätzen kursierten viele Videos: „Nicht alle sind echt, aber doch sehr viele.“ Die Unstimmigkeiten waren zunächst auf medienkritischen Social-Media-Kanälen diskutiert worden. Auf Nachfragen zu den Abläufen ging das ZDF zunächst nicht ein.

„Tabubruch und ein absolutes No-Go“

Nathanael Liminski, nordrhein-westfälischer Medienminister und Mitglied im ZDF-Fernsehrat, warnte die Sendeanstalt vor einer Bagatellisierung des Vorfalls. „Diese krasse Fälschung in einer Nachrichtensendung ist ein gravierender Fehler“ sagte der CDU-Politiker dem Wochenmagazin „Stern“ in Hamburg. Die eigenen Qualitätsansprüche hätten eine „solche Täuschung des Publikums“ eigentlich verhindern müssen: „Anstatt Desinformation und Deepfakes zu entlarven, wird auf Bildmaterial aus sachfremden Zusammenhängen sowie auf KI-generierte Fakebilder zurückgegriffen. Das ist ein Tabubruch und ein absolutes No-Go.“

Von Karsten Packeiser (epd)