Er ist einer der eigenwilligsten und bekanntesten deutschen Filmemacher: Wim Wenders. Das Deutsche Filmmuseum in Frankfurt am Main widmet seinem filmischen Lebenswerk eine detailreiche Schau.
Frankfurt a.M. (epd). Das wandgroße Foto zeigt unverkennbar die Berliner Siegessäule mit der vergoldeten Viktoria-Figur, doch ein Detail lässt stutzen: Auf der Schulter der 67 Meter hohen Engelsfigur steht ein Mann. „Er musste fünf Stunden lang dort oben stehen, damit wir ihn eine halbe Stunde lang vom Hubschrauber aus filmen konnten“, berichtet Wim Wenders über die Szene aus seinem preisgekrönten Film „Der Himmel über Berlin“. Die Schau „W.I.M. Im Lauf der Zeit. Eine Wim Wenders Ausstellung“ im Deutschen Filminstitut & Filmmuseum (DFF) in Frankfurt am Main gibt vom 11. März bis 18. Oktober einen Überblick über das gesamte filmische Schaffen des Regisseurs.
Gezeigt werden etwa zu „Der Himmel über Berlin“ der Brustpanzer des Engels Damiel (Bruno Ganz), der aus Liebe seinem Engeldasein entsagt und Mensch wird. Auch das Kostüm seiner angebeteten Trapezkünstlerin Marion (Solveig Dommartin) ist zu sehen. Requisiten wie Porträtzeichnungen des beteiligten Schauspielers Peter Falk, das handschriftliche Manuskript von Peter Handke für den Filmtext „Als das Kind Kind war“ oder das Notizbuch von Wenders sind Teil der Schau.
Wenders liebt die Rockmusik
Die Ausstellung präsentiert 350 Exponate, die meisten von der Stiftung Wim Wenders, ergänzt durch die Sammlung des Museums. Themen sind unter anderem die Kindheit Wenders, seine Liebe zur Rockmusik, Roadmovies, seine bevorzugten Länder USA und Japan, Dokumentarfilme und 3D-Filme. So begrüßen am Eingang Zeichnungen und Aquarelle des jungen Wim, dessen Leben eine Wendung nahm, als er mit zwölf Jahren in Oberhausen von seinem Vater eine Filmkamera geschenkt bekam. Szenen seines ersten mit Schulfreunden in Schwarz-Weiß gedrehten Gangsterfilms „Killer and Companie“ laufen an der Wand.
„Die Schau ist eine Einladung, sich auf eine Reise durch die Filme und Gedankenräume eines Künstlers zu begeben, der unsere Vorstellung vom Film geprägt hat“, sagt Kurator Hans-Peter Reichmann. „Wenders hat den Autorenfilm in der Bundesrepublik maßgeblich mitgeprägt und dem deutschen Kino international Gehör verschafft.“ Besondere Faszination übten die USA auf ihn aus.
Pinker Pullover von der Heilsarmee macht filmische Karriere
Zu dem preisgekrönten Film „Paris, Texas“, in dem ein Mann im US-amerikanischen Westen seine Familie sucht, sind unter anderem Fotos von den Dreharbeiten zu sehen, darunter Nastassja Kinski als Jane im pinken Pullover. Er sei mit ihrem ursprünglich blauen Pullover nicht zufrieden gewesen, erzählt Wenders. Die Ausstatterin habe deshalb in dem verlassenen Ort über Nacht einen gebrauchten Pulli von der Heilsarmee für einen Dollar aufgetrieben. „Ich bin überzeugt, der Erfolg des Films hing an Kinskis pinkem Pullover“, gesteht Wenders schmunzelnd.
Der Musik widmet die Ausstellung ein eigenes Kapitel. „Rock 'n' Roll hat mein Leben verändert, sonst wäre ich Arzt oder Architekt geworden“, erzählt Wenders. Besonders die gleichaltrigen The Kinks und Van Morrison hätten ihn beeindruckt und ihm Mut zum Absprung von einem bürgerlichen Leben gemacht. In der Ausstellung steht ein Musikapparat „Stereophonic Music“. „Das war meine Jukebox zehn Jahre lang“, sagt Wenders.
Mit dem Flipper das Bier verdient
Auch ein weiteres geliebtes Gerät des Filmemachers ist zu sehen, ein Flipper. „Ich war einfach gut, ich habe in einer Kneipe ein Bier nie mit eigenem Geld bezahlt“, erinnert sich Wenders. Aber auch die Besucherinnen und Besucher sollen Hand anlegen können, nämlich an einer „Film-Jukebox“. Dort lassen sich Wenders-Filme für eine Leinwand auswählen und auf einer Weltkarte die Drehorte dazu anzeigen. Der Filmemacher hat selbst einen Teil für die Schau entworfen: „Ein Kino, wie es noch nie eines gegeben hat.“
In einem sechseckigen Raum laufen auf fünf Wänden verschiedene Szenen von mehreren seiner Filme nebeneinander, dazu Rockmusik. „Es ist eher ein kubistisches Gemälde als ein Film“, urteilt Wenders. Nicht nur durch dieses spezielle Kino, auch sonst unterscheidet sich die Schau von der Jubiläumsausstellung zu Wenders 80. Geburtstag im vergangenen Jahr in der Bonner Bundeskunsthalle. Während diese den Künstler in seinem Schaffen in vielen Sparten zeigte, konzentriert sich die Schau in Frankfurt auf das filmische Werk Wim Wenders. Auf einem Viertel der Fläche von der Bonner Ausstellung zeigt das DFF genauso viele Exponate.
www.dff.film
Ausstellung: https://s.epd.de/3rhh