Cartoons von der Abnehmspritze bis zum Heimatministerium
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Cartoon "Rassenhass" von Katharina Greve
Karikaturen von Katharina Greve in Frankfurt

Das Caricatura-Museum in Frankfurt am Main zeigt eine Ausstellung des „klügsten Kopfes der komischen Kunst“, so der Leiter Martin Sonntag über Katharina Greve. Ihre Cartoons lassen auch bei ernsten Themen schmunzeln.

Frankfurt a.M. (epd). Auf dem Tisch steht eine Geburtstagstorte mit einer „25“ darauf, daneben ein Paket. „Oh, ein Zelt! Danke! Ich möchte schon lange mal Camping-Urlaub machen!“, ruft der junge Mann. Die Eltern erwidern: „Naja, wir wollen eigentlich, dass du ausziehst...“ Eine umfassende Ausstellung mit Werken der Karikaturistin Katharina Greve ist im Caricatura-Museum in Frankfurt am Main zu sehen. Die vom 27. Juni bis 17. Januar 2027 geöffnete Schau zeigt Cartoons und Comics von Skizzen über die Reinzeichnung bis zum fertigen Werk. Auch Einzelstücke der Malerei sowie Foto- und Objektkunst sind zu sehen.

Die Künstlerin spießt auch ernstere Themen auf. Zwei Spaziergängerinnen unterhalten sich: „Echt? Du gibst 300 Euro im Monat für diese Abnehmspritze aus?“ „Bei DEN Lebensmittelpreisen rechnet sich das.“ Aktuelle politische Vorgänge finden ihr Echo im Cartoon, so wie an der Theke einer Bar: „Du fühlst dich fremd im eigenen Land? Seit wann das denn?“, fragt die Barkeeperin. Der Gast erwidert: „Seit es hier ein Heimatministerium gibt.“ Caricatura-Leiter Martin Sonntag sagt: „Ihre Karikaturen sind politisch bedeutsam und machen gleichzeitig Spaß.“

Fünf Meter hoher Comicstrip

Die Schau präsentiert Cartoon-Serien, so wie über die dicke Prinzessin Petronia (ab 2015), die wie als Verwandte des „kleinen Prinzen“ von Antoine de Saint-Exupéry auf einem Kometklumpen im All sitzt. Anders als dieser ist Petronia übel gelaunt, widersetzt sich den Erwartungen ihres Umfeldes und ringt um Selbstbestimmung. „Sie ist mein Alter Ego“, erklärt Katharina Greve. „Ich bin auch oft wütend, traurig, schlecht gelaunt.“ Dagegen helfe ihre Kunst: „Humor ist auch eine psychische Selbstbewältigungsstrategie.“

Ein Superlativ in der Schau hinsichtlich der Höhe ist die 3D-Fertigung des Webcomics „Das Hochhaus: 102 Etagen Leben“ (2015-2017). Der Comicstrip enthüllt die Wohnung jedes Stockwerks und gibt die Dialoge der Bewohner preis. Aus den scheinbar privaten Situationen entfalten sich gesellschaftliche Themen wie Familien- und Rollenbilder oder Wohlstand und Ungleichheit, durchzogen von Humor. Zu dem fünf Meter hohen Werk sind Vorzeichnungen und die farbige Ausführung zu sehen.

Geschichten von Mutter und Tochter

„Ich zeichne eigentlich gar nicht so gern“, kokettiert Greve. Die Ausstellung straft ihre Worte Lügen: 545 Arbeiten sind zu sehen. Ihre Kunst fällt nicht vom Himmel, „ich denke lange nach, bevor ich was mache“, erzählt sie. Ihre künstlerische Methode vereint Systematik und Kreativität: „Zuerst sammele ich viele Informationen, dann dusche ich, liege auf der Couch oder gehe spazieren, dann kommt die Idee.“ Greves jüngste in einem Buch gesammelte Cartoonserie, „Meine Geschichten von Mutter und Tochter“ (2025), ist eine liebevolle Hommage an den Klassiker „Vater und Sohn“ von Erich Ohser alias e.o. plauen.

Die Schau zeigt Skizzen, Vorzeichnungen und die farbige Ausführung. In einer Szene streichen Mutter und Tocher eine Zimmerwand. Allerdings beginnen sie an den Ecken mit verschiedenen Farben. Als sie sich in der Mitte treffen, wollen sie die Farbe mit dem Handspiel „Schere, Stein, Papier“ entscheiden. Aber dreimal machen beide die gleiche Geste. Dann malt jede einen Streifen der eigenen Farbe auf die Farbe der anderen weiter, es entsteht eine gleichberechtigt rot-grün gestreifte Wand. Die Ausstellung bietet eine Leseecke vor einem Tapetendesign Greves mit Büchern der Künstlerin an.

Geflügelter Bleistift in Bronze

Katharina Greve wurde 1972 in Hamburg geboren und studierte Architektur an der TU Berlin. Seit 2002 arbeitet sie als freiberufliche Künstlerin, 2004 folgten erste Cartoons. Ihre Arbeiten werden regelmäßig in Zeitschriften und Zeitungen veröffentlicht, unter anderem in Titanic, „tageszeitung“, Das Magazin, „Süddeutsche Zeitung“ und „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“. Greve wurde mehrfach ausgezeichnet, so mit dem Deutschen Cartoonpreis, Sondermann-Förderpreis, Kalenderpreis und Max & Moritz-Preis. Zuletzt erhielt sie 2025 den Geflügelten Bleistift in Bronze beim Deutschen Karikaturenpreis. Sie lebt und arbeitet in Berlin.

www.caricatura-museum.de

www.katharinagreve.de

Von Jens Bayer-Gimm (epd)