Kirchen in Hessen und Rheinland-Pfalz schrumpfen weiter
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Leere Kirche

In Hessen und Rheinland-Pfalz haben die evangelische und die katholische Kirche im vergangenen Jahr ähnlich dem Bundestrend mehr als drei Prozent ihrer Mitglieder verloren. Die Gründe sind regional verschieden gewichtig.

Mainz, Darmstadt, Kassel (epd). Die beiden großen Kirchen in Hessen und Rheinland-Pfalz haben im vergangenen Jahr in ähnlichem Maß wie 2024 Mitglieder verloren. Das geht aus den am 16. März veröffentlichten Statistiken der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und der katholischen Deutschen Bischofskonferenz hervor. Insgesamt ging die Zahl der evangelischen und katholischen Kirchenmitglieder in beiden Ländern um über 160.000 zurück.

Nicht einberechnet ist dabei die Entwicklung in der Evangelischen Kirche im Rheinland (EKIR). Deren Gebiet erstreckt sich auch auf das Saarland und große Teile Nordrhein-Westfalens, die Landeskirche legte jedoch keine nach Bundesländern getrennten Zahlen vor.

Mehr Austritte als Todesfälle in Hessen-Nassau

Die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) geht nach vorläufigen Berechnungen von einem Rückgang der Mitglieder in Höhe des Bundesdurchschnitts von 3,2 Prozent aus (2024: 3,7 Prozent). Demnach sank die Mitgliederzahl um rund 40.000 von 1,27 Millionen auf 1,23 Millionen. Erneut verlor die EKHN nach eigenen Angaben mehr Mitglieder durch Austritte als durch Sterbefälle. Die Evangelische Kirche von Kurhessen-Waldeck (EKKW) geht von einem Rückgang ihrer Mitgliederzahl um 22.000 aus, was einem Minus von 3,1 Prozent entspreche. In der EKKW ist die Zahl der Sterbefälle höher als diejenige der Austritte. Die Evangelische Kirche der Pfalz verlor über 14.000 Mitglieder.

Der katholischen Kirche kehrten im vergangenen Jahr in den beiden Bundesländern insgesamt rund 90.000 Mitglieder den Rücken. Die Bistümer verbuchten im Verlauf der zurückliegenden zwölf Monate mehr als 42.000 Austritte. Zudem lag die Zahl der kirchlichen Bestattungen in allen katholischen Diözesen mehr als doppelt so hoch wie die der Taufen. Der katholischen Deutschen Bischofskonferenz zufolge schrumpfte die Mitgliederzahl im Bistum Mainz um 21.000, im Bistum Limburg um 15.000, im Bistum Speyer um 14.000, im Bistum Fulda um 10.000 und im Bistum Trier, das auch den Großteil des Saarlandes umfasst, um 35.000.

Bischof: Christlicher Glaube ist keine Sonderwelt

„Wir müssen immer wieder deutlich machen, wofür Kirche steht und was sie tut“, sagte die kurhessische Bischöfin Beate Hofmann mit Blick auf die Entwicklung. Menschen an Lebensschwellen zu begleiten und ihnen Segen zuzusprechen, sei eine Stärke der Kirche. Mit ihrem Engagement in Seelsorge, Diakonie und Lebensbegleitung biete die Kirche Orte der Kraft und des Trostes für Menschen in Not und in Krisen und sei somit ein wichtiges Netz der Solidarität und Gemeinschaft.

Auch der katholische Mainzer Bischof Peter Kohlgraf erklärte, mit Kitas, Schulen, Seelsorge und unterschiedlichen Gottesdienstformen verfüge die Kirche weiterhin über die Möglichkeit „zu zeigen, dass christlicher Glaube keine in sich geschlossene Sonderwelt ist“. Die Menschen müssten erfahren können, dass sie in der Kirche „willkommen sind mit ihren Anfragen“.

Mitteilung EKHN: https://s.epd.de/3rsw

www.ekkw.de

Materialien zur aktuellen Kirchenstatistik der DBK: https://s.epd.de/3rsk

Von Karsten Packeiser (epd)