Seit 2021 läuft die Innensanierung der Marburger Elisabethkirche. Eigentlich sollte sie bis 2024 dauern, doch noch ist kein Ende in Sicht.
Marburg (epd). Man muss schon genau hinschauen und durch das Hauptschiff bis zum Altar laufen: Erst dort sehen die Besucher deutlich, dass der hintere Teil der Marburger Elisabethkirche durch einen Vorhang abgetrennt ist, der mit einem Foto bedruckt ist. Dahinter ragen die Baugerüste für die Renovierung hoch. Ziel der Sanierung ist es, den ursprünglichen rosa Farbton aus der Erbauungszeit der Kirche zwischen 1235 und 1283 wiederherzustellen. Damit, so hieß es bei der Vorstellung des Konzepts, sollen heutige Besucherinnen und Besucher einen Eindruck davon bekommen, wie die Menschen des 13. Jahrhunderts die gerade fertig gestellte Kirche wahrgenommen haben.
Die Innensanierung der Kirche durchläuft zwei Abschnitte, wie der zuständige Landesbetrieb Bau und Immobilien Hessen (LBIH) erklärt. Aktuell wird im hinteren Teil gearbeitet, voraussichtlich bis Sommer 2027. „Derzeit werden die Arbeiten zur Wiederherstellung der bauzeitlichen Raumfassung aus dem 13. Jahrhundert ausgeschrieben“, teilt der LBIH auf eine Anfrage des Evangelischen Pressedienstes (epd) mit. Dann erst starten die Arbeiten im Langhaus und den Seitenschiffen. Dabei sei nach derzeitigen Planungen mit mindestens zweieinhalb weiteren Jahren Bauzeit zu rechnen.
Die meisten Besucher haben Verständnis
Für die Gemeinde bedeuteten die langen Renovierungsarbeiten „massive Einschränkungen“, sagt die Vorsitzende des Kirchenvorstands, Anne Kuppe. Es sei schwer, etwas zu planen, etwa große Konzerte. „Täglich werden die Küster gefragt: Wie lange dauert es noch? Die Küster halten die Stellung und versuchen alles, was möglich ist.“ Touristen könnten derzeit nur das Hauptschiff sehen. Zugänglich ist außerdem der Elisabeth-Schrein. Dafür müssen sich die Besucher an den Baugerüsten vorbei in den hinteren Teil der Kirche schlängeln. Es sei ein „Jahrhundertprojekt“, konstatiert Anne Kuppe.
Die meisten Besucher zeigten Verständnis, erzählt einer der Küster in der Küsterstube am Eingang der Kirche. „Viele sagen: Wenn es richtig gemacht werden soll, braucht es Zeit.“ Angesichts der langen Dauer fügt der Küster allerdings hinzu: „Wir vermissen Entscheidungen, die zielgerichtet sind.“
Viele alte Materialien verdecken Schäden
Die Kosten der Renovierung trägt das Land Hessen, die Kirche gehört dem Gesamtverband der Evangelischen Kirchengemeinden in Marburg. Sanierungen von historischen Gebäuden wie der Elisabethkirche brächten „besondere Herausforderungen“ mit sich, betont der LBIH. Verschiedene, über die Jahrhunderte eingesetzte Materialien verdeckten zum Teil Schäden, die erst während der Sanierungsarbeiten entdeckt würden. Deshalb könne derzeit nicht ausgeschlossen werden, dass sich die bereits veranschlagten Kosten von etwa 6,7 Millionen Euro erhöhen werden.
Die Kirche entstand auf dem Grabmal der Elisabeth von Thüringen (1207-1231) und galt bereits im Mittelalter als bedeutender Wallfahrtsort. Heute besuchen jedes Jahr etwa 100.000 Menschen die Elisabethkirche, sie zünden 45.000 Kerzen an. Rund 25.000 Besucher machen Führungen mit. Die Mehrheit der Gemeinde freue sich auf die renovierte Kirche und den Farbton, berichtet Kirchenvorstands-Vorsitzende Anne Kuppe. „Aber es wird ein völlig neuer Eindruck sein.“
Infos zur Sanierung: https://s.epd.de/402r