„Die Ideen kommen von allein, sobald ich den Stift ansetze“, sagte Hans Traxler über sich. Bis ins hohe Alter brachte der vielfach ausgezeichnete Künstler der komischen Kunst Bücher heraus. Sein Elan war ungebremst: „Ich bin bis zu meinem 100. Geburtstag ausgebucht. Einzelheiten möchte ich nicht verraten“, sagte er verschmitzt. Fast hätte er es geschafft: Am 24. August ist Hans Traxler im Alter von 97 Jahren gestorben, wie das Caricatura-Museum in Frankfurt am Main und die Stadt Frankfurt im Namen der Familie am 26. August bekanntgaben.
„Hans Traxlers Beitrag für die Komische Kunst ist immens, sein Werk prägend und sein Schaffensdrang beeindruckend“, sagte Martin Sonntag, Leiter des Caricatura-Museum Frankfurt. Traxlers Lebenswerk sei Teil „unseres kulturellen Erbes“. Noch 2024 habe Traxler sich in seinem Buch „Wie die Malerei verschwand“ kritisch zur Entwicklung der modernen Kunst geäußert. Als den Verlust eines „großen Künstlers und einer außergewöhnlichen Persönlichkeit“, bezeichnete Frankfurts Oberbürgermeister Mike Josef (SPD) den Tod des Künstlers: „Sein kreatives Wirken hat tiefe Spuren nicht nur in Frankfurt hinterlassen. Wir verneigen uns vor einem beeindruckenden Lebenswerk.“
Aushängeschild von „Titanic“ und „Pardon“
Seinen Ruf erwarb sich der Karikaturist als Aushängeschild der Satire-Magazine „Pardon“ und „Titanic“ und als Mitbegründer der Künstlergruppe „Neue Frankfurter Schule“. Doch schon mit vier Jahren habe er seine erste Bildergeschichte geschrieben, hatte Traxler dem Evangelischen Pressedienst (epd) erzählt: Drei Teddybären fahren auf einer Draisine über Land und erleben haarsträubende Geschichten. Seinem älteren Bruder gefiel der Comic so gut, dass er ihn für 20 Heller kaufte. „Nachdem ich herausgefunden hatte, dass man für etwas, das Spaß macht, Geld bekommen konnte, um sich Dinge zu kaufen, die noch mehr Spaß machen, beschloss ich, nie mehr etwas anderes zu tun, als komische Zeichnungen zu machen“, sagte Traxler.
Traxlers Werke sind kleine Kostbarkeiten. Strich, Figur, Farbe - alles sitzt. In seinen Texten und aquarellierten Zeichnungen nimmt er den Alltagswahnsinn aufs Korn: Moden und Blasiertheiten, das Mann-Frau-Verhängnis, das Altwerden, Hölle und Himmel. Dabei kommt sein Humor nicht derb und grobschlächtig daher, sondern leicht und dezent.
Realistische Zeichnungen mit vielen Details
Die Figuren haben keine Knollennasen und keine Glubschaugen. „Ich bin ein realistischer Zeichner, halte die Dinge so fest, wie sie sind, auch die Interieurs“, erläutert der Künstler. Die vielen Details „geben einer Zeichnung Halt, eine Erdung“. Für Traxlers jüngeren Kollegen Oliver Maria Schmitt ist er der „bildmächtigste Zeichner“ der „Neuen Frankfurter Schule“.
Hans Johann Georg Traxler wurde als Sohn österreichischer Eltern im nordböhmischen Herrlich (Hrdlovka) geboren und wuchs in Sangerberg (Prameny) zusammen mit seinen beiden Brüdern Fritz und Franz auf einem Bauernhof auf. Nach Krieg, Flucht und Vertreibung der deutschstämmigen Bevölkerung aus der Tschechoslowakei verschlug es Traxler Ende Mai 1945 nach Regensburg. Dort nahm ihn ein Freund der Familie, der ehemalige Prager Akademieprofessor Max Geyer, unter seine Fittiche und unterwies ihn in plastischer Anatomie, Faltenwurf, Zentralperspektive, Farben- und Kompositionslehre.
Mit 17 verkaufte Traxler seine erste Karikatur an eine Münchner Illustrierte. 1951 ging er nach Frankfurt am Main und studierte dort an der Städelschule Malerei und Lithografie. 1962 holte „Pardon“-Gründer Hans A. Nikel Traxler, F.W. Bernstein, Robert Gernhardt & Co. in die „Pardon“-Redaktion. Nach dem Niedergang der Zeitschrift gründeten die Freunde 1979 das Satiremagazin „Titanic“.
„Woke“-Bewegung macht es der Satire schwer
1982, im Jahr der Wahl Helmut Kohls zum Bundeskanzler, veröffentlichte Traxler seine Karikatur Kohls als „Birne“. 1988 gestaltete er das letzte Titelblatt für die „Titanic“, danach veröffentlichte er in Zeitungen, schrieb und zeichnete Bücher. Satire habe es mit dem Aufkommen der „Woke“-Bewegung für politische Korrektheit schwerer als in den vergangenen Jahrzehnten, sagte Traxler vor Jahren. Der Künstler veröffentlichte knapp 50 Bücher und fast 30 Buchillustrationen anderer Autoren, er wurde mehrfach ausgezeichnet.
Die Vorstellung von einem Leben nach dem Tod sei ihm fremd, hatte Traxler gesagt. Doch der Tod besitze keinen Schrecken für ihn: „Ich habe mich mit dem Gedanken, sterben zu müssen, angefreundet.“ Bis ins hohe Alter war seine Schaffenskraft ungebrochen.