Warum im DRK-Heim in Borgholzhausen nie die Lichter ausgehen
s:73:"PV-Anlage auf dem Dach vom Pflegeheim "Haus Ravensberg" in Borgholzhausen";
PV-Anlage auf dem Dach vom Pflegeheim "Haus Ravensberg" in Borgholzhausen
Notstromtechnik soll Evakuierung bei einem Blackout verhindern
Borgholzhausen (epd).

Auf dem Flachdach des DRK-Pflegeheimes „Haus Ravensberg“ in Borgholzhausen bei Gütersloh arbeitet eine Photovoltaikanlage, die maximal 100 KW Strom erzeugt. Das ist für einen Neubau nichts Ungewöhnliches, wollen doch auch viele Heime ihre CO2-Bilanz verbessern - und Stromkosten sparen. Doch das DRK hatte schon in der Bauphase des neuen Bettenhauses 2020 im Sinn, das Heim mit seinen 80 Einzelzimmern für einen möglichen Stromausfall dauerhaft abzusichern.

Das gestaltete sich zunächst kompliziert. „Ich habe damals zu dem Anlagenbauer gesagt, ich möchte einen Wechselrichter haben, der auch funktioniert, wenn mal der Netzstrom ausfällt“, erzählt Dennis Schwoch, seit 2014 Geschäftsführer des DRK-Kreisverbandes Gütersloh. Diese Technik sei auch deshalb nötig gewesen, weil das schon vorhandene Blockheizkraftwerk für seinen Betrieb immer Netzspannung benötigt. Der Elektriker habe erst geknurrt, dann aber doch eine Lösung für ein autarkes System gefunden: Wechselrichter und Strom aus den Batteriespeichern mit ihren 123 KW sichern die Funktion des Blockheizkraftwerks. Zudem kann die Photovoltaikanlage auch bei einem Blackout ins Hausnetz einspeisen „oder in die Akkus puffern“.

„Gut angelegtes Geld“

Man habe insgesamt rund 215.00 Euro investiert, doch das sei gut angelegtes Geld, denn jetzt sei man bei der Stromversorgung auf der sicheren Seite, sagt Schwoch. Sollte all das versagen, gibt es zur Sicherheit noch ein großes Notstromaggregat, das seinen Strom direkt ins Haus oder in die Batterien fließen lässt.

Heimleiter Christoph Langewitz weiß, welche Probleme bei einem Stromausfall zu meistern sind: „In der Pflege sind wir über die vergangenen Jahre immer abhängiger davon geworden, am Strom zu bleiben“, sagte er dem WDR. Aufzüge, Rufsysteme, elektrische verstellbare Betten und auch die digitale Dokumentation der Pflegeleistungen, all das funktioniere nur mit Strom.

Ein spezielles Förderprogramm, das Pflegeheime gegen Blackouts schützt, gebe es in Nordrhein-Westfalen nicht, erläutert Schwoch. Und doch konnte er die Anlage zu 100 Prozent über eine Laufzeit von zehn Jahren refinanzieren. Das Projekt fiel unter den Investitionskostensatz: „Dafür gibt es in NRW eine Angemessenheitsgrenze, wie viel man in der Einrichtung verbauen darf. Wir hatten noch ein freies Budget, und so hat der zuständige Landschaftsverband geprüft, ob unser Plan sinnvoll ist, und dann dafür seine Zustimmung gegeben.“

Zunächst kommen höhere Kosten auf die Bewohner zu

Zur ganzen Wahrheit gehört aber auch, dass die Heimbewohner nun einen höheren Investitionskostensatz bezahlen, denn alle Ausgaben für Modernisierung und Instandhaltung des Hauses werden auf die Pflegebedürftigen umgelegt. Aber, sagt Schwoch, sie sparten langfristig, „denn wir müssen weniger Strom vom Netzanbieter einkaufen“. Das lohne sich, denn wegen der CO2-Besteuerung werde Strom bald deutlich teurer.

Was hier in Borgholzhausen Realität geworden ist, bereitet andernorts noch immer große Probleme. Pflegeeinrichtungen könnten ohne großen Aufwand selbst keine längere Stromerzeugung garantieren, sagte Dieter Hewener, Heimleiter im Landkreis Trier-Saarburg. Zwar gebe es technische Vorbereitungen, „aber wir können keine Woche ohne Strom überbrücken“. Eine autonome Notstromversorgung sei immer nur für die Überbrückung kurzer Zeiträume ausgelegt, sagt das Vorstandsmitglied der rheinland-pfälzischen Pflegegesellschaft.

Auf Anfrage heißt es auch beim Verband katholischer Altenhilfe in Deutschland (VKAD): „Viele Pflegeeinrichtungen verfügen zwar über Notstromlösungen. Diese Systeme sind jedoch in der Regel auf eine kurzfristige Überbrückung ausgelegt.“

Heime müssen keine Vorsorge gegen Blackouts treffen

Anders als Kliniken, die als sogenannte kritische Infrastruktur gegen die Folgen eines Blackouts mit Stromaggregaten vorsorgen müssen, gibt es für Heime keine solche gesetzliche Regelung. Gleichwohl versuchen vermehrt auch Pflegeeinrichtungen, Vorsorge zu treffen. Bundesweite Zahlen, wie viele der Heime in der Stromversorgung zumindest vorübergehend autark sein können, gibt es jedoch nicht.

Dennis Schwoch sagt, die Heimträger bräuchten eine stärkere Sensibilisierung, ihre Infrastruktur anzupassen. Das DRK-Projekt habe gezeigt, dass auch größere Investitionen in eine sichere Stromversorgung zumindest in NRW möglich seien: „Das kann jeder Heimträger so machen, das ist kein Hexenwerk.“

Von Dirk Baas (epd)