Ärzte, Patientenschützer und Verbraucherzentralen fordern eine Weiterentwicklung der elektronischen Patientenakte (ePA). Während sie in anderen Ländern schon funktioniere, scheitere die elektronische Akte in Deutschland nach wie vor an der konkreten Umsetzung, sagte der Bundesvorsitzende des Deutschen Hausärztinnen- und Hausärzteverbands, Markus Beier, den Zeitungen der Essener Funke-Mediengruppe. Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) kündigte Verbesserungen an.
Die ePA sei vor allem „eine unsortierte PDF-Sammlung, mit der Praxen im Alltag nur wenig anfangen können“, sagte Baier. Ein Problem sei auch, dass es bei der Infrastruktur immer wieder zu Störungen und Ausfällen komme. Der Registrierungsprozess sei zudem „absurd kompliziert“, sodass selbst digital affine Menschen frustriert aufgeben würden.
Die ePA müsse „zügig im Sinne der Versicherten weiterentwickelt werden“, erklärte der Verbraucherzentrale Bundesverband am Mittwoch in Berlin. Es fehlten zentrale Funktionen wie digitale Impf- oder Bonushefte. Ramona Pop, Vorständin des Bundesverbands, forderte für die elektronische Akte eine Möglichkeit, genau einzustellen, welche Praxis Zugriff auf welche Informationen habe. „So möchten Patientinnen und Patienten möglicherweise psychotherapeutische Befunde mit der Hausarztpraxis teilen, jedoch nicht unbedingt mit der Zahnarztpraxis“, erläuterte Pop.
Stiftung Patientenschutz fordert „Fahrplan zur Problemlösung“
Auch die Deutsche Stiftung Patientenschutz mahnte Nachbesserungen an. „Der Dauerärger mit der E-Akte muss ein Ende haben“, sagte der Vorstand der Stiftung, Eugen Brysch, am Mittwoch in Dortmund. Die Bundesgesundheitsministerin müsse einen verbindlichen Fahrplan zur Problemlösung vorlegen. Sie müsse erklären, wann die technischen Grundstörungen beseitigt seien und eine nutzerfreundliche Einrichtung und Handhabung ermöglicht werde.
Laut einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Forsa im Auftrag der Verbraucherzentrale verwaltet eine große Mehrheit (71 Prozent) ihre ePA nicht aktiv. Nur eine Minderheit allerdings (9 Prozent) hat sie löschen lassen. Für die Untersuchung hatte Forsa Anfang November 1.037 Menschen telefonisch befragt.
Warken: Alle Beteiligten müssen zum Gelingen beitragen
Bundesgesundheitsministerin Warken verteidigte das Projekt und kündigte Verbesserungen für Patienten an. „Die elektronische Patientenakte ist und bleibt das zentrale Instrument für ein digitales Gesundheitswesen“, sagte sie der „Rheinischen Post“. „Wir werden die Nutzbarkeit so weiterentwickeln, dass sie für alle Versicherten einen größeren Mehrwert bringt.“ Neben dem e-Rezept und der Medikationsliste würden durch die e-Überweisung, die digitale Ersteinschätzung und eine verankerte Terminvermittlung weitere Anwendungen integriert.
Der Zugang zur ePA müsse einfacher werden, deshalb werde unter Einhaltung hoher Schutzstandards das Authentifizierungsverfahren vereinfacht, kündigte Warken an. Damit die breite Nutzung der E-Akte gelinge, müssten jedoch alle Beteiligten ihren Beitrag leisten - auch Krankenkassen und Leistungserbringer, forderte die Bundesgesundheitsministerin.