Denkmalschützer schlagen Alarm
s:174:"Für die Erhaltung vieler Denkmäler sei die Unterstützung der Deutschen Stiftung Denkmalschutz und weiterer Spenderinnen und Spender nötig, so wie hier beim Berlinder Dom.";
Für die Erhaltung vieler Denkmäler sei die Unterstützung der Deutschen Stiftung Denkmalschutz und weiterer Spenderinnen und Spender nötig, so wie hier beim Berlinder Dom.
Berlin, Bonn (epd).

Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz ist zunehmend besorgt über den Verlust von Baudenkmalen. 2024 und 2025 seien insgesamt mindestens 1.077 Denkmale verloren gegangen, sagte Stiftungsvorstand Steffen Skudelny am Dienstag in Berlin zur Vorstellung des zweiten Schwarzbuches der Denkmalpflege. Dies sei aber nur ein Bruchteil der Verluste, da Gebäude zuvor oft von Denkmallisten verschwunden seien und ein Verlust somit nicht bekannt wurde. Betroffen sind alle Bundesländer.

„Die Rahmenbedingungen für den Denkmalschutz haben sich weiter verschlechtert“, sagte Skudelny. Das öffentliche Bewusstsein dafür nehme ab, der politische Druck auf den Denkmalschutz nehme dagegen zu: „Jeden Tag geht in Deutschland mehr als ein Denkmal verloren.“

Kritik an schwachen Gesetzen

Schritt für Schritt würden Denkmalschutzgesetze geschwächt, politische Durchgriffsmöglichkeiten ausgeweitet und „Denkmale zunehmend dem Primat der Wirtschaftlichkeit untergeordnet“, kritisiert Deutschlands größte private Organisation für Denkmalpflege. Zuletzt war in Nordrhein-Westfalen das Denkmalschutzgesetz erneut geändert worden. In diesem Zusammenhang monierte Skudelny auch manche durch das Sondervermögen des Bundes angestoßene Investitionen. Neubau werde zu pauschal als alternativlos propagiert.

Zentrale Forderung der Denkmalstiftung ist die bundesweite Erfassung des Denkmalbestandes in Deutschland. Das „Bauen im Bestand“ müsse vereinfacht werden. Fachbehörden benötigten mehr Kompetenz, oftmals läge eine Überforderung vor. Eigentümer von Denkmälern sollten entlastet werden. Nötig seien auch niedrigschwellige Förderprogramme. Zudem müssten Abrisse und Streichungen von der Denkmalliste transparent veröffentlicht werden.

„Verlorene Geschichte“

Das Schwarzbuch der Denkmalpflege mit dem Untertitel „Verzeichnis verlorener Geschichte 2024/25“ weist zahlreiche Beispiele von Denkmälern auf, die seit 2024 zerstört, gefährdet oder gerettet wurden. Laut Stiftung sind rund drei Prozente der Bauwerke in Deutschland als Denkmal registriert. Im vergangenen Jahr wurde erstmals ein Schwarzbuch durch die Stiftung veröffentlicht.

Skudelny kritisierte ein existierendes „Zerrbild eines übermächtigen Denkmalschutzes“. Im Gegenteil sehe er ein Zurückdrängen der Fachbehörden. Denkmalschutz werde im „überbürokratisierten Bauwesen“ ein „leichtes Opfer für Symbolpolitik“. Das Schwarzbuch der Denkmalpflege ist den Angaben zufolge der einzige bundesweite Lagebericht zur Situation des Denkmalschutzes in Deutschland.

Als Beispiel für in den vergangenen beiden Jahren verloren gegangene Denkmale listet das Schwarzbuch etwa in Berlin das im Stil des Neuen Bauens bis 1928 errichtete „Zweifamilienhaus Kern“ des Architekten Bruno Ahrends auf. Es wurde im vergangenen Jahr den Angaben zufolge abgerissen. In Nordrhein-Westfalen wurden laut dem Schwarzbuch der „Krusenhof“ in Anröchte sowie die Scarabaeus-Pyramide in Monheim ohne Genehmigung abgerissen. Als gefährdet stuft die Stiftung unter anderem mehrere Eisenbahnbrücken in Köln sowie ein Fachwerkhaus in Ottmarsbocholt-Senden ein.