In der biblischen Ostergeschichte kommen Hasen nicht vor. Aber in etlichen Kunstwerken in Kirchen ist das Motiv zu finden, ob als springender Hase oder weißes Kaninchen an der Seite von Maria. Mit Ostern haben sie höchstens indirekt zu tun.
Oft sieht man sie im Kontext der Jagd dargestellt: In der Emailverzierung des Kölner Dreikönigenschreins, einem Reliquiar des 12. Jahrhunderts, jagt ein Hund einen Hasen. Und im Chorgestühl des Kölner Doms wird ein Hase von einem Adler geschlagen.
Dreihasenbilder als Symbol für Erneuerung des Lebens
Hingucker sind sogenannte Dreihasenbilder: Springende Hasen, die ein Dreieck bilden, mit drei langen Ohren im Zentrum. Das Motiv gelangte ursprünglich aus China über die Seidenstraße ins mittelalterliche Europa und findet sich meist an kirchlichen Gebäuden. Die Fachwelt sah im Dreihasenbild - berühmt ist das rund 500 Jahre alte Dreihasenfenster des Paderborner Doms - lange ein Symbol der göttlichen Dreieinigkeit.
Joshua Sanders, der am Paderborner Diözesanmuseum zu diesem Thema recherchiert hat, erläutert: In der aktuellen Forschung gelte die Darstellung eher als „Symbol der endlosen Bewegung von Sonne und Mond“. Als nachtaktives Tier sei der Hase bereits früh mit dem Mond in Verbindung gebracht worden, wobei die ständige Wiederkehr und kreisende Bewegung in Dreihasenbildern laut Sanders für die Erneuerung des Lebens stehen.
„Das Dreihasensymbol findet sich in einem Kreis in der Mitte der Decke des berühmten buddhistischen Höhlenklosters in Dunhuang in der chinesischen Provinz Gansu“, erklärt Sanders. Das illusionistische Motiv kenne man zudem aus der altägyptischen Keramik der 18. bis 20. Dynastie (circa 1.500 bis 1.000 vor Christus). Später sei es in der islamischen Welt aufgegriffen worden.
Die Symbolik der Erneuerung des Lebens passt aber auch zur christlichen Ostergeschichte in der Bibel: Nach seinem Sterben am Kreuz ist Jesus Christus von den Toten auferstanden, Gott schenkt neues Leben. Kirchenvater Ambrosius deutete Hasen im vierten Jahrhundert als Auferstehungssymbol.
Verfolgter Hase als menschliche Seele
Bedeutsam für die Symbolbildung des Hasen sei außerdem seine flinke Vermehrung - weshalb er „mit Fruchtbarkeit in Verbindung gebracht wird“, wie Sanders sagt. Hinzu komme die Schnelligkeit des Tieres. So wurde der Hase in christlicher Deutung auch „ein Sinnbild des Menschen, der zum 'schützenden Fels' der Kirche springt.“
Der Theologe und Brauchtumsforscher Manfred Becker-Huberti kennt ein passendes Beispiel für diese Deutung: „Die Bauplastiken am Dom von Königslutter zeigen einen verfolgten Hasen als menschliche Seele, die sich vor der Verfolgung des Satans retten will.“ Eine überraschende Bildschöpfung bezeugt ein plastischer Jagdfries am selben Dom: Zwei Hasen haben einen Jäger gefesselt.
Ganze Reihen von Hasendarstellungen im Kölner Dom
Hasen sind auch im Marienkrönungsfenster des Kölner Doms zu sehen: Ein brauner und zwei weiße springen neben den dort dargestellten Ehefrauen des Stifters Philipp II. von Virneburg ins Auge. Da die Ehen kinderlos blieben, könnten sie Fruchtbarkeitssymbole sein, sagt Markus Frädrich, Medienreferent des Metropolitankapitels. Im Dom gebe es „eine ganze Reihe von Hasendarstellungen“, sagt er, welche aber „nicht in einem explizit christlichen oder liturgischen Zusammenhang stehen“.
Weiße Kaninchen und Maria
Auf einem Flügel des Hochaltars im Freiburger Münster ist Maria mit weißen Kaninchen dargestellt. Sie seien dort Zeichen der Fruchtbarkeit von Maria und Elisabeth sowie vielleicht der Jungfräulichkeit Mariens, erläutert Manfred Becker-Huberti: „Weil das Mittelalter fälschlich glaubte, der Hase sei ein Zwitter und vermehre sich ohne Partner, war er eine Metapher für die unbefleckte Empfängnis der Jungfrau Maria.“
Osterhase seit gut 300 Jahren Teil des außerkirchlichen Brauchtums
„Der Osterhase wurde niemals ein kirchliches Symboltier“, betont Manfred Becker-Huberti, „das war und ist das Lamm Gottes“. Der eierbringende Hase sei vermutlich im Verlauf des 17. und 18. Jahrhunderts „Teil des außerkirchlichen religiösen Brauchtums bei den evangelischen Christen geworden“.
Als Ursache vermutet der Experte die Ostereier und erklärt das so: „Jeder Besucher der Ostermette erhielt bereits vor dem Jahr 1000 ein rot gefärbtes Osterei als Metapher für die Auferstehung.“ Das habe solchen Anklang gefunden, dass Gläubige begonnen hätten, selbst Eier zu färben, die bei den Katholiken an Ostern im Rahmen einer Eierweihe gesegnet wurden.
Die Protestanten hingegen hätten, so Becker-Huberti, außerkirchliche „Eierlieferanten“ erfunden. Das Rennen machte der Hase, der Eier für die Kinder versteckte. 1682 schrieb der Mediziner Georg Franck von Franckenau: Dass der Osterhase in einigen protestantischen Regionen Eier bringe, sei „eine Fabel, die man Simpeln und Kindern aufbindet“.
Man kann den Zusammenhang von Hasen und Ostern aber auch viel leichter herstellen. Becker-Huberti: „Volkstümlich wurde der Osterhase als ein beim Backen verunglücktes Osterlamm gedeutet.“