Fälle sexualisierter Gewalt in den evangelischen Internaten der rheinischen Kirche werden wissenschaftlich aufgearbeitet. Wissenschaftler der Forschungsstelle für Zeitgeschichte in Hamburg haben eine Studie dazu begonnen, wie die Evangelische Kirche im Rheinland am Montag in Düsseldorf erklärte. Die Ergebnisse sollen im Frühjahr 2027 veröffentlicht werden. Die neue Studie ist eine Konsequenz aus der 2023 veröffentlichten Untersuchung zu körperlicher, psychischer und sexualisierter Gewalt im Schülerheim Martinstift Moers zwischen 1953 und 1955.
Einbezogen werden den Angaben zufolge die evangelischen Internate, Alumnate und Schülerheime in Bad Godesberg, Burscheid, Dierdorf, Herchen, Hilden, Kaiserswerth, Meisenheim, Neukirchen-Vluyn, Neuss und Traben-Trarbach sowie das Wohnheim des Jung-Stilling-Instituts im westfälischen Espelkamp-Mittwald, das zusammen mit der westfälischen Kirche getragen wurde. Die Einrichtungen seien meist in den 1950er Jahren eröffnet worden und inzwischen überwiegend wieder geschlossen, hieß es.
Studienleiter bittet um Hinweise
Verantwortlich ist der Historiker Daniel Gerster. Die Studie wird zudem von dem Professor Klaus Große Kracht begleitet. Die Untersuchung werde unabhängig von der rheinischen Kirche umgesetzt, hieß es. Interviews seien ein wichtiger Bestandteil der Studie. Sie würden vertraulich behandelt und anonymisiert bearbeitet. Es sei wichtig, „dass Menschen bereit sind, uns noch weitere Hinweise auf sexualisierte Gewalt in den Einrichtungen zu geben“, betonte Studienleiter Gerster. Die Studie sei wichtig für die Aufarbeitungsbemühungen der Kirche. Vonseiten der Schulen liege bereits „unerwartet viel Archivmaterial“ vor.
Bei drei Internaten seien bereits Verdachtsfälle oder dokumentierte Fälle sexualisierter Gewalt gegen frühere Bewohner und Bewohnerinnen bekannt gewesen, erklärte die rheinische Kirche. Inzwischen hätten sich weitere Betroffene gemeldet. Auch nach Beginn der wissenschaftlichen Aufarbeitung könnten Betroffene aus den genannten evangelischen Internaten sich noch melden, hieß es.