Die evangelische Militärseelsorge will bis 2025 ihren Pfarrdienst von derzeit 105 auf 147 Stellen ausbauen. Die 42 Stellen mehr seien notwendig, um die seelsorgerliche Begleitung in einer wachsenden Bundeswehr mit vielen neuen Herausforderungen von derzeit 180.000 auf dann rund 260.000 aktive Soldatinnen und Soldaten leisten zu können, erklärte Militärbischof Bernhard Felmberg am Montag in Bonn zum Auftakt der jährlichen Gesamtkonferenz der Evangelischen Militärseelsorge.
Die Sorge, neue Pfarrstellen nicht besetzen zu können, habe er nicht, betonte er. Die Militärseelsorge sei trotz Rückgang der Pfarrerinnen und Pfarrer in der Kirche insgesamt derzeit sehr gefragt. „Wir haben keine Vakanzen und es gibt genug Bewerbungen auch für neue Stellen“, erklärte Felmberg.
Befragung zeigt hohe Akzeptanz der Militärseelsorge
Der Militärbischof verwies zugleich auf die hohe Akzeptanz der Arbeit der Militärseelsorge in der Bundeswehr. 84 Prozent aller Soldatinnen und Soldaten schätzten laut einer Studie der evangelischen Militärseelsorge vom Januar 2026 ausdrücklich die Seelsorgeangebote, 95 Prozent besonders die Verschwiegenheit im „geschützten Raum“ außerhalb der militärischen Hierarchie. An der Befragung „Was kann und was leistet Militärseelsorge? Seelsorge und Religion in den deutschen Streitkräften“ hatten sich rund 7.000 Soldatinnen und Soldaten beteiligt.
Die Rückmeldungen spiegeln für Militärgeneraldekan Thorsten Kirschner auch die „zunehmend großen Belastungen“ wider, unter den Soldatinnen und Soldaten und ihre Familie stünden, auch bei den zunehmenden Auslandseinsätzen. Noch dieses Jahr sollen daher eigens zwei neue Stellen für die deutschen Soldaten in Litauen eingerichtet werden.
Militärseelsorge will gesellschaftlichen und kirchlichen Diskurs unterstützen
„Die Zeit der Friedensdividende ist erst einmal vorbei“, betonte Bischof Felmberg. „So groß und verständlich die Sehnsucht nach Frieden ist, wir müssen uns den Realitäten stellen.“ Die Militärseelsorge auch mit ihrer sehr guten ökumenischen Zusammenarbeit wolle hier den Diskurs in der Kirche wie der Gesellschaft unterstützen.
Dazu gehört für Felmberg auch das Rahmenkonzept „Seelsorge und Akutintervention im Spannungs-, Bündnis- und Verteidigungsfall“. Das interne Arbeitspapier, das gerade in der evangelischen wie katholischen Kirche entwickelt und diskutiert wird, beschreibt die Rolle kirchlicher Seelsorgepraxis angesichts neuer militärischer Bedrohung, die auch Deutschland direkt treffen könnten, die Zivilbevölkerung wie Einsatzkräfte, Verwundete, Gefallene, Kriegsgefangene und Geflüchtete. „Gerade wir als Kirchen sind gut beraten, auch nach den schlechten Erfahrungen in Corona-Zeiten, nach vorne zu denken, um in Krisenfällen handlungsfähig zu bleiben und Menschen beistehen zu können“, betonte er.
Bei der Gesamtkonferenz der Evangelischen Militärseelsorge beraten bis Donnerstag rund 90 Militärgeistliche, Männer wie Frauen, aus ganz Deutschland über die Zukunft und Herausforderungen ihrer Arbeit. Sie steht unter dem biblischen Leitwort „Tröstet, tröstet mein Volk! (Jesaja 40,1) - Seelsorge und Begleitung in der Landes- und Bündnisverteidigung“.