Journalist Henze: Trumps stärkster Rückhalt ist die religiöse Rechte
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Fernsehjournalist Henze: US-Evangelikale sichern Trump die Macht
Köln (epd).

US-Präsident Donald Trump verdankt seine Wahlerfolge nach Ansicht des Journalisten Arnd Henze maßgeblich der religiösen Rechten in den USA. Wie Trump, der 2016 „noch ein relativ unbeschriebenes Blatt“ gewesen sei, hätten die Rechtsevangelikalen „einen extremen Radikalisierungsprozess durchgemacht, dessen Folgen wir heute erleben“, sagte Henze im Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd). Nach seiner Beobachtung hätten sie bereits bei der ersten Wahl 2016 geschlossen für den damaligen Außenseiter gestimmt und seitdem über drei Wahlen treu zu ihm gehalten.

In dem am 11. März erscheinenden Buch „Mit Gott gegen die Demokratie“ analysiert der Fernsehjournalist, der unter anderem als ARD-Korrespondent in den USA arbeitete, wie weitreichend der Einfluss der religiösen Rechten auf die US-amerikanische Politik und Gesellschaft ist. Obwohl sie Minderheitenpositionen vertrete, sei sie eine starke Stimme in der „Make America Great Again“-Bewegung (MAGA) des US-Präsidenten und verfüge im Zusammenspiel mit den sozialen Medien über ein erhebliches Kampagnenpotential. Verbindendes Element von MAGA-Anhängern und religiösen Extremisten sei der „gemeinsame Wunsch nach Rache“, erläutert Henze.

Verbunden durch Rachegelüste: Trump und die Rechtsevangelikalen

Allerdings seien die Motive für die Revanchegelüste höchst unterschiedlich. Bei Trump sei es die Rache für die vermeintlich 2020 durch Joe Biden „gestohlene“ Wahl und die Gerichtsverfahren, denen er sich ausgesetzt gesehen habe. „Bei den religiösen Rechten ist es die Rache für ein Jahrhundert stetiger Niederlagen in einem Kulturkampf, den sie immer wieder selbst befeuert haben: gegen die Öffnung und Liberalisierung der Gesellschaft, die auch mit Säkularisierung verbunden ist“, führte Henze aus.

Der Mythos von der gestohlenen Wahl sei bei Trumps Anhängern fast zu einer Art Glaubensartikel geworden, sagte Henze. Angesichts der Angriffe des US-Präsidenten auf Gerichte, Kultur, Universitäten und Museen in seinem Land, werde der deutsche Begriff der „Gleichschaltung“ in den USA immer häufiger verwendet und Vergleiche mit der NS-Herrschaft in Deutschland würden gezogen, berichtet Henze. Es gebe aber einen entscheidenden Unterschied zur Lage in Deutschland während der Nazi-Diktatur: „In den USA gibt es inzwischen eine mutige Zivilgesellschaft, die aus der Schockstarre erwacht ist und sich wehrt.“

Von Michael B. Berger (epd)