Kirchtürme sind für Fledermäuse oft von großer Bedeutung. «Die Tiere sind konservativ», sagt Fledermaus-Experte Klaus Timmerberg. Oft haben sie ihre Jungen über Jahrhunderte hinweg in denselben Türmen aufgezogen. In Baden-Württemberg leben laut NABU (Naturschutzbund Deutschland) fast alle der 25 in Deutschland vorkommenden Fledermaus-Arten. Doch die «Schönen der Nacht» sind bedroht: Insektensterben und Lichtverschmutzung setzen ihnen ebenso zu wie der Rückgang geeigneter Jagdgebiete, etwa artenreicher Wiesen und Wälder.
Timmerberg ist Geograf im Ruhestand und engagiert sich seit 40 Jahren für den Fledermausschutz. Dazu gehört auch die Betreuung eines Fledermaus-Quartiers in Maulbronn. «Das Kloster Maulbronn beherbergt eine der größten »Wochenstuben« der Art»Großes Mausohr« in Baden-Württemberg», erzählt er. In den Wochenstuben ziehen die Weibchen gemeinsam ihren Nachwuchs auf.
Fledermäuse organisieren gemeinsame «Kinder-Betreuung»
Die auch als «Kirchen-Fledermaus» bekannte Art erwacht im April aus dem Winterschlaf. Im Juni bringen die Weibchen ihre Jungen zur Welt. Während ein Teil der Tiere den Nachwuchs betreut, gehen die anderen auf die Jagd. «Im Kloster haben wir im vergangenen Jahr 580 Weibchen gezählt, die knapp 1.000 Jungtiere großgezogen haben», berichtet Timmerberg. Doch ihre Zahl ist leicht rückläufig.
Viel schlimmer ergeht es der vom Aussterben bedrohten Art «Graues Langohr». Die Tiere haben im Naturpark Stromberg-Heuchelberg (Landkreise: Karlsruhe, Enzkreis, Heilbronn und Ludwigsburg) noch relativ viele Wochenstuben-Quartiere. «Dem »Grauen Langohr« geht es schlechter als dem »Großen Mausohr«, weil die Weibchen nur kleine Wochenstuben mit zehn bis 20 Müttern bilden», sagt Timmerberg. Dadurch bleiben sie oft unentdeckt - zumal sie sich tagsüber in schmalen Ritzen verstecken.
Sanierungen: Mitunter werden Fledermäuse versehentlich eingemauert
Gerade das wird ihnen zunehmend zum Verhängnis: «Wenn im Rahmen von Sanierungen alle Ritzen und Öffnungen eines Gebäudes verschlossen werden, verschwinden Quartiere,» sagt Timmerberg. Mitunter würden Fledermäuse sogar versehentlich eingemauert.
Um Fledermaus-Populationen langfristig zu schützen, setzt der Naturpark Stromberg-Heuchelberg auf Aufklärung. Im Projekt «Flederfreunde» werden ehrenamtliche Experten ausgebildet, die vor Ort beraten. «Für viele Probleme gibt es einfache Lösungen - man muss sie nur kennen», so Timmerberg, der auch in dem Projekt mitwirkt.
Da Türme ohnehin schon oft als Quartiere dienen, spielen Vertreter von Kirchengemeinden eine wichtige Rolle. Speziell für «Mitbewohner im Glockenstuhl» findet für Pfarrer und Verantwortliche im Bauwesen und in der Verwaltung am 19. Juni ein Vortrag im Naturpark statt. Dabei lernen die zukünftigen Experten, dass schon wenige Zentimeter große Öffnungen den Tieren als Zugang reichen.
Mütter und Junge brauchen Ruhe
Während der Aufzucht der Jungen im Sommer sollte Ruhe in den Quartieren herrschen. «Wir haben auf dem Dachstuhl im Kloster Maulbronn sogar ein Schloss angebracht, damit niemand die Mütter und Jungen in der Stillzeit stört», erzählt Timmerberg.
Bislang war für Fledermäuse auch künstliches Licht ein Problem. «Wenn ein Gebäude nachts angestrahlt wurde, trauten sie sich gar nicht hinaus», erklärt Timmerberg. Denn für ihren größten Feind, die Eulen, wären sie zu leicht zu entdecken gewesen. Aber seit dem 1. April 2026 ist Fassadenbeleuchtung in Baden-Württemberg jährlich von April bis Ende September verboten.
Auch andere Naturschützer setzen sich für den Schutz dieser Rückzugsorte ein. So hat der NABU 2007 die Aktion «Lebensraum Kirchturm» ins Leben gerufen. Der NABU zeichnet dabei Gemeinden aus, in deren Kirchtürmen bedrohte Arten ein Zuhause finden. Dazu gehören neben Fledermäusen auch Schleiereulen, Turmfalken oder Dohlen. Bundesweit wurden über 1.200 Kirchen ausgezeichnet, rund 250 davon stehen in Baden-Württemberg.