Die Frohe Botschaft kommt im Kirchenbezirk Karlsruhe-Land seit gut einem Jahr auf Rädern daher. NimBus heißt der rollende Doppeldeckerbus, der auf Spielplätzen und an Schulen Kirche nahbar macht. «Der Bus ist ein tolles Werkzeug, um ins Gespräch zu kommen», sagte Rebecca Mann, die bei der Evangelischen Kirchengemeinde in Karlsruhe-Neureut für Kinder- und Jugendarbeit zuständig ist, dem Evangelischen Pressedienst (epd).
Unter dem Motto «Zu dir. Bei dir. Mit dir» erfüllt er verschiedene Funktionen - als rollender Begegnungsort, Café auf Rädern oder mobile Kirche. Eltern könnten etwa entspannt Kaffee trinken gehen, während die Kinder betreut würden und eine biblische Geschichte zu hören bekämen, so die Diakonin. Jugendliche wiederum könnten eigene Ideen einbringen.
Bus ist ein «Eye Catcher»
Mann berichtet von Krimidinnern, einem Flohmarkt und einem Lerncafé, das junge Menschen selbst entwickelt hätten. Das niederschwellige Angebot öffnet Kirche auch für Menschen, die nicht kirchlich sozialisiert wurden. Wo immer er steht, auf Spielplätzen in Neureut, vor der alten Synagoge in Freiburg oder bei einer Freizeit am Bodensee - der rot-gelbe Bus hat Strahlkraft.
Der Bus sei ein «Eye Catcher», sagt die Diakonin: «Plötzlich ist man drin in Sinnfragen, Glaubensfragen. Das ist eine große Chance.» Der Name selbst ist Programm: NimBus stammt - in der Schreibweise abgewandelt - aus dem Lateinischen und steht neben anderen Bedeutungen für etwas Besonderes, Göttliches.
Förderverein soll laufende Kosten sichern
Über vier Jahre hat das fünfköpfige NimBus-Team der Evangelischen Jugend Karlsruhe-Land sowie der Evangelischen Kirchengemeinde Neureut an dem elfeinhalb Meter langen und vier Meter hohen Bus getüftelt und gebaut. Unterstützt wurde das rund 100.000 Euro teure Projekt durch Spenden unter anderem von der Evangelischen Landeskirche in Baden (Karlsruhe).
Um die laufenden Kosten zu decken, wird am 4. November der Förderverein «Mobile Kirche im Kirchenbezirk Karlsruhe-Land» gegründet. Er soll auch dem zweiten Projekt einer Kirche «to go» in Karlsruhe-Land langfristig Rückenwind geben: der Tiny Music Church. Das «Tiny-House» auf Rollen will laut der Initiatorin Anke Nickisch aus Ettlingen Kirchenmusik auf die Straße bringen.
Holzkirche als Leichtgewicht
Die Bezirkskantorin im Kirchenbezirk Karlsruhe-Land hat während der Coronazeit die Idee einer kleinen Holzkirche entwickelt. Wann sie an den Start gehen wird, ist noch unklar. «Derzeit tüfteln unsere Architekten noch daran, wie sie das Gewicht unter 3,5 Tonnen reduzieren können», sagt Nikisch. Sonst bräuchte man - wie für den NimBus - einen LKW-Führerschein, um die Tiny Music Church von Ort zu Ort zu fahren.
In der Holzkirche sei dann Platz für rund zehn Personen. Zwei Flügeltüren sollen die Tiny Music Church für eine Bühne, Impulse, kleine Konzerte und Mitsingveranstaltungen öffnen. Das Projekt ist auf rund 150.000 Euro veranschlagt und wird ebenfalls von der Evangelischen Landeskirche in Baden unterstützt.
Kirche muss zu den Menschen kommen
Nikisch und Mann sind überzeugt, dass Kirche im Umbruch steckt. Sie habe etwas «nach vorne bringen wollen», erinnert sich die Kantorin. Wenn die Menschen nicht mehr den Weg zur Kirche fänden, müsse die Kirche zu den Menschen kommen. Die beiden kreativen Ideen aus Karlsruhe finden bereits bundesweit Anklang. Beratungen seien gefragt, sagt Mann und betont: «Unsere Message ist eine Gute, manchmal scheitert es an der Form.»