Zwei weitere Luchsweibchen im Thüringer Wald ausgewildert
Oberhof (epd).

Zwei weitere junge Luchsweibchen sind im Thüringer Wald bei Oberhof ausgewildert worden. Wangari und Lana sollen dazu beitragen, die Luchspopulation in Thüringen zu stärken, sagte der Luchsexperte des BUND Thüringen, Markus Port, am Donnerstag vor Ort. Seit Beginn des Projekts „Luchs Thüringen - Europas Luchse vernetzen“ im Januar 2024 seien damit neun Luchse in dem Mittelgebirge ausgewildert worden.

Port erklärte, weibliche Luchse seien für den Aufbau einer stabilen Population besonders wichtig. Während männliche Tiere größere Entfernungen zurücklegen und neue Gebiete erschließen können, blieben Weibchen mit ihrem Nachwuchs eher in ihren Revieren. Sie bildeten bilden damit den Kern einer wachsenden Population.

Erster Nachwuchs beim Auswilderungsprojekt

Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD) und Thüringens Umweltminister Tilo Kummer (BSW) öffneten bei der Auswilderung jeweils eine Tür des Geheges, in dem sich die Tiere mehrere Wochen an ihre neue Umgebung gewöhnen konnten. Die gut ein Jahr alten Weibchen stammen aus Tierparks in Belgien und der Schweiz.

Schneider betonte, die beiden ausgewilderten Luchse könnten in einem natürlichen Lebensraum dazu beitragen, das Ökosystem Wald im Gleichgewicht zu halten und zu stabilisieren. Der Luchs brauche gut vernetzte zusammenhängende Naturräume, die viele Vorteile haben. Denn gerade, wenn verschiedene natürliche Lebensräume intakt und vernetzt seien, werde auch die Natur insgesamt langfristig widerstandsfähig. Damit könne sie klimatische Veränderungen besser verkraften und dazu beitragen, den Klimawandel einzudämmen.

Luchse waren immer schon Teil des Thüringer Walds

Kummer betonte, Luchse seien immer schon ein Teil der heimischen Wälder gewesen. Sie nähmen einen wichtigen Platz im Ökosystem ein. Auch wenn die Akzeptanz des Projekts in der Bevölkerung hoch sei, genüge es nicht, die Tiere nur auszuwildern. Mögliche Konflikte mit Land- und Waldnutzern müssten durch die Projektpartner und die Umweltverwaltungen bewältigt werden.

Luchse waren im Thüringer Wald über 200 Jahre hinweg ausgerottet. Der letzte frei lebende Luchs im Thüringer Wald wurde im Jahr 1819 bei Luisenthal südlich von Gotha erlegt. Luchse galten dem Menschen lange als Konkurrenz bei der Jagd und als Bedrohung für Nutztiere.

Projekt läuft noch bis wenigstens 2027

Ziel des Projekts ist es, bis 2027 eine stabile Population im Thüringer Wald aufzubauen. Thüringen, zwischen den Luchsvorkommen im Harz und den Populationen in Süddeutschland gelegen, könnte eine wichtige Rolle bei deren Vernetzung spielen. Der Austausch zwischen den Populationen soll auch die genetische Vielfalt der Art sichern.

Nach Projektangaben haben sich alle bisher im Thüringer Wald ausgewilderten Tiere erfolgreich etabliert. Eines der Weibchen habe bereits Nachwuchs bekommen. Auch in diesem Jahr wird mit Luchsjungen gerechnet. Nach Angaben des BUND benötige dieses Projekt jedoch Zeit. So brauche es geschätzt 25 Jahre, bis die ersten Nachfahren der im Thüringer Wald in die Freiheit entlassenen Luchse nach Österreich oder Slowenien vorgedrungen sind und damit zur genetischen Durchmischung der gesamteuropäischen Population beitragen.

Von Matthias Thüsing (epd)