Der Kirchliche Umweltkreis Ronneburg warnt vor einer vorschnellen Festlegung Thüringens auf die sogenannte Monoklärschlammverbrennung zur Gewinnung von Phosphor. „Zunächst sollte auch in Thüringen offen geprüft werden, welches Verfahren ökologisch, wirtschaftlich und technisch die beste Lösung für die künftige Klärschlammentsorgung bietet“, sagte Frank Lange von der Initiative dem Evangelischen Pressedienst (epd). Die von der Abfallwirtschaft vorgeschlagene thermische Verwertung erfordere laut Lange deutschlandweit milliardenschwere Investitionen in Recyclinganlagen, ohne dass bislang ein schlüssiges Gesamtkonzept vorliege.
Die ab 2029 geltende Pflicht zur Phosphorrückgewinnung setze Kommunen und Entsorgungswirtschaft unter Zeitdruck. Nach Ansicht Langes rechtfertige dies keine Festlegung auf zentrale Monoverbrennungsanlagen.
Phosphor ist ein unverzichtbarer Pflanzennährstoff und zugleich eine begrenzte Ressource, die Deutschland weitgehend importieren muss. Ziel des Recyclings ist, den Phosphor zurückzugewinnen und als Dünger wieder in den Stoffkreislauf zu bringen.
Lange betonte, die bei Verbrennungen entstehenden Klärschlammaschen müssten aufwendig aufbereitet werden. Weil Technologie und Kapazitäten erst bis 2039 flächendeckend geschaffen werden sollen, sei geplant, „jahrelang Deponien zu betreiben“. Eine als „nationale Phosphor-Reserve“ bezeichnete Lagerung in Bergwerken und auf Deponien könne zu einer teuren Endlagerung führen.
Ergebnisoffene Prüfung der Verfahren
Lange plädierte dafür, die Phosphorrückgewinnung direkt in den Kläranlagen voranzutreiben. Verschiedene Verfahren könnten dort erprobt und hinsichtlich Energieverbrauch, Klimawirkung, Kosten und Qualität des gewonnenen Phosphors verglichen werden. „Wir brauchen belastbare Daten, bevor für Jahrzehnte Fakten geschaffen werden“, sagte Lange.
Er warnte zudem vor zusätzlichen Klimabelastungen durch eine künftig stärkere Verbrennung von Klärschlamm. Entscheidend sei ihm zufolge, Abwasser-, Abfall- und Düngerecht besser aufeinander abzustimmen, um recycelten Phosphor in den Wirtschaftskreislauf zurückzuführen.
Phosphor ist Pflanzennährstoff und Rohstoff
Lange forderte einen dreijährigen Stopp für neue Investitionen in Verbrennungs- und Recyclingkapazitäten. Der Kirchliche Umweltkreis hat seine Position inzwischen in einem Schreiben an Thüringens Umweltminister Tilo Kummer (BSW) dargelegt. „Die Vorbereitung des Genehmigungsverfahrens für die geplante Verbrennungsanlage am Standort Ronneburg durch die Umweltverwaltung sollte gestoppt werden“, sagte Lange.