Thüringer Naturschützer fordern Umstieg bei Agrarzahlungen
Jena (epd).

Die Landwirtschaft in Deutschland und Europa könnte nach Einschätzung des Naturschutzbundes (Nabu) auch ohne die bisherigen pauschalen EU-Agrarsubventionen die Ernährung sichern. Das gehe aus einer vom Verband in Auftrag gegebenen Studie hervor, teilte der Nabu Thüringen am Donnerstag in Jena mit. Demnach würden die Produktionsmengen bei einem vollständigen Wegfall der Zahlungen nur vergleichsweise gering zurückgehen.

Für Thüringen fordert der Verband deshalb eine grundlegende Neuausrichtung der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP). Der Naturschutzreferent des Nabu Thüringen, Marcus Orlamünder, erklärte, die bisherigen Flächenprämien sollten schrittweise auslaufen und die Mittel stärker für konkrete Leistungen von Landwirten für Natur, Klima und Gewässerschutz eingesetzt werden. Bereits für die Förderperiode 2028 bis 2032 würden im Freistaat nach einer Studie des Instituts für Agrarökologie und Biodiversität jährlich mehr als 42 Millionen Euro zusätzlich benötigt, um den Verlust der Artenvielfalt in der Landwirtschaft wirksam zu bremsen.

Studie sieht Produktion kaum beeinträchtigt

Nach den Studienberechnungen würde die Pflanzenproduktion in Deutschland bei einem Wegfall der GAP-Zahlungen um höchstens 2,8 Prozent sinken. Die Milchproduktion bliebe nahezu unverändert, die Fleischerzeugung würde um maximal 0,75 Prozent zurückgehen. Beim Weizen würde der deutsche Selbstversorgungsgrad demnach von rund 134 auf etwa 129 Prozent sinken und damit weiterhin über dem Eigenbedarf liegen. Auch auf EU-Ebene bliebe die Versorgung mit Getreide, Fleisch sowie Obst und Gemüse demnach gesichert.