Der Klimawandel verändert zunehmend auch die Friedhöfe in Thüringen. Steigende Temperaturen, längere Trockenperioden und Extremwetterlagen stellten die Friedhofsverwaltungen vor neue Herausforderungen bei Bepflanzung, Pflege und Gestaltung der Anlagen, sagte Julia Herz von der Evangelischen Erwachsenenbildung Thüringen am Mittwochabend bei einer Führung über den Erfurter Hauptfriedhof.
Der frühere Erfurter Hochschulprofessor Wolfgang Borchardt betonte, dass sich die Folgen des Klimawandels bereits deutlich in der Pflanzenwelt zeigten. Wärmeliebende Arten wie der Blauglockenbaum breiteten sich zunehmend aus und siedelten sich teilweise selbst an. Auch Judasbaum, Sommer-Mammutbaum, Robinie und Douglasie könnten in der Friedhofsgestaltung künftig ebenso wie robuste Stauden eine größere Rolle spielen. Zudem könnten sich heimische Pflanzenarten vielfach an veränderte Klimabedingungen anpassen.
Bewässerung als zentrale Herausforderung
Als Herausforderung gilt die Bewässerung. Dauerhafte künstliche Bewässerung sei langfristig nicht immer sinnvoll. Entscheidend seien vielmehr geeignete Pflanzenarten und ein gezielter Umgang mit Wasserressourcen, sagte Borchardt. Er verwies auf Zielkonflikte zwischen Naturschutzvorgaben und klimatischen Veränderungen. Gesetzliche Regelungen bevorzugten häufig heimische Arten, obwohl sich natürliche Lebensräume bereits wandelten.
Auch gewinnen den Angaben zufolge neue Bestattungsformen wie Baumbestattungen an Bedeutung. Friedhöfe entwickelten sich damit zunehmend nicht nur zu Orten des Erinnerns, sondern auch zu wichtigen Räumen für Klimaanpassung und Biodiversität in Städten.