Die Trockenheit der vergangenen Jahre hat die Amphibienbestände in Thüringen unter Druck gesetzt. Besonders Arten, die auf kleine Laichgewässer angewiesen sind, litten unter ausgetrockneten Tümpeln und fehlender Feuchtigkeit an Land, sagte der Amphibienexperte beim Naturschutzbund Thüringen (Nabu), Ulrich Scheidt, dem Evangelischen Pressedienst (epd).
Vergleichsweise besser, aber keineswegs gut seien Arten durch den Sommer gekommen, die größere Teiche und Seen bevorzugten, sagte der Amphibienkundler. Dazu zählten etwa Erdkröten und Wasserfrösche. Die auf kleine Gewässer spezialisierte Gelbbauchunke sei dagegen besonders vom Verlust ihres Lebensraums betroffen. Viele kleinere Gewässer seien ausgetrocknet.
Flucht in den Boden schon im Sommer
Neben geeigneten Laichgewässern benötigten Amphibien auch an Land ausreichend Feuchtigkeit. Bei Trockenheit zögen sich viele Tiere schon im Sommer in den Boden zurück, um sich vor dem Austrocknen zu schützen. Dadurch könnten sie jedoch nicht mehr ausreichend Nahrung aufnehmen und Energiereserven für den Winter aufbauen. „Selbst wenn die Gewässer im Frühjahr da sind, kommen sie nicht zur Fortpflanzung, weil ihnen einfach die Energie und die Kraft fehlen“, erklärte der Experte.
Besonders besorgniserregend ist die Entwicklung laut Scheidt beim Grasfrosch. In tieferen Lagen Thüringens seien die Bestände dramatisch zurückgegangen. Im Thüringer Wald sei die Situation wegen der kühleren und feuchteren Bedingungen in höheren Lagen vergleichsweise weniger schlecht. Die Rückgänge hätten allerdings bereits vor dem vergangenen Sommer eingesetzt. Auch für andere Tiere habe dies Folgen, da Grasfrösche früher für sie eine wichtige Nahrungsquelle gewesen seien.
Noch sind Bestandsrückgänge umkehrbar
Noch seien die Bestandsrückgänge umkehrbar, sagte Scheidt. Angesichts der allgemeinen Klimaentwicklung sei die Prognose jedoch wenig positiv. Um Amphibien zu schützen, müsse vor allem Wasser in der Landschaft gehalten werden. Der Experte forderte, Entwässerungsgräben vor allem in der Landwirtschaft deutlich zurückzubauen.
Kritisch sieht Scheidt insbesondere die Entwässerung von Wäldern. „Um Wege für schwere Maschinen befahrbar zu halten, werden Gräben häufig vertieft.“ Dadurch fließe Wasser schneller ab, statt den Waldboden zu durchfeuchten. Erste Maßnahmen des landeseigenen Thüringenforst, bei denen Wasser gezielt aus den Gräben in angrenzende Waldbereiche geleitet werde, seien ein Anfang. „Nötig sind hier jedoch deutlich umfassendere Anstrengungen“, sagte Scheidt.