Altenburg entdeckt den Safran neu
Altenburg (epd).

Es sind nur wenige Wochen im Jahr. Dann leuchten plötzlich zwischen dem herbstlichen Grün tausende violettfarbene Blüten im Altenburger Land. Was hier wächst, gilt vielen als exotische Zutat aus den Küchen des Mittelmeerraums und des Orients. Tatsächlich aber blickt Safran in Mitteldeutschland auf eine jahrhundertealte Geschichte zurück.

Erzherzogin Margaretha von Österreich (1416-1486) brachte das kostbare Gewürz im 15. Jahrhundert nach Altenburg, als sie 1464 die ostthüringische Stadt zu ihrem Witwensitz machte. Auch nach ihrem Tod wurde Safran dort angebaut. Historische Quellen berichten bis in die ersten Jahre des Dreißigjährigen Krieges von Aussaat und Ernte. Danach verschwand die Tradition für mehrere Jahrhunderte.

Eine außergewöhnliche Kulturpflanze

Die Wiederbelebung begann 2016. Damals griff die privat und gemeinnützig betriebene Forschungsinitiative „Wandel-Werte-Wege gGmbH“ den historischen Safrananbau mit Versuchs- und Anbauprojekten wieder auf. „Von Margaretha von Österreich wussten wir damals noch gar nichts“, sagt Mitgründer und Projektleiter Frank Spieth. Ihn fasziniere bis heute die Pflanze und ihre Möglichkeiten für eine zukunftsfähige Landwirtschaft.

Denn der Safrankrokus zählt zu den ungewöhnlichsten Kulturpflanzen überhaupt. Er blüht im Herbst, wächst über den Winter und bleibt mehrere Jahre auf derselben Fläche. Regelmäßiges Pflügen und Herbizide sind meist nicht nötig. „Das schont den Boden und fördert die Artenvielfalt“, sagt Spieth. Mit steigenden Temperaturen rückt die Kulturpflanze heute wieder in den Blick.

Kaum noch Zukunft in Marokko oder im Iran

Während traditionelle Anbaugebiete wie Marokko oder der Iran zunehmend unter Hitze und Trockenheit litten, könnten sich die Bedingungen in Mitteldeutschland verbessern. Dabei sei die Pflanze unglaublich ertragreich, betont Spieth. Angebaut werde Safran über Jahre hinweg immer nur auf wechselnden Teilflächen des jeweiligen Feldes. Die jeweils brachliegenden Bereiche könnten beispielsweise als Blühstreifen genutzt werden.

Der Anbau ist arbeitsintensiv. Für ein einziges Kilogramm Safran müssen etwa 150.000 bis 200.000 Blüten der Krokusart Crocus sativus von Hand gepflückt werden. Doch die Mühe lohnt sich. Je nach Qualität und Herkunft werden beim Endkunden Preise von sechs bis 100 Euro je Gramm aufgerufen.

Stadt bietet Rundgänge, Schaubeete und regionale Produkte

Und auch Altenburg will seit 2023 langfristig vom Safran profitieren. So berichtet Kristin Ludwig vom Tourismusverband des Landkreises von den Plänen, den Safran gezielt als touristisches Profil des Altenburger Landes weiterzuentwickeln.

Besucher könnten die Geschichte der historischen Kulturpflanze auf einem Rundgang durch die Altenburger Innenstadt mit acht Stationen und digitalen Informationen per QR-Code entdecken. Auch Schaubeete, Safranfelder, Gastronomie und regionale Produkte wie Honig, Bier, Schokolade oder Likör sollen das Gewürz als neues Markenzeichen der Region etablieren.

Viel Aufmerksamkeit für eine Pflanze, die in der Region auf nur ein paar tausend Quadratmetern Ackerfläche angebaut wird. Ein Kilo Safran produziert die „Wandel-Werte-Wege gGmbH“ pro Jahr. Der deutschlandweite Verbrauch liege bei 6.000 Kilo.

Altenburg soll zu einem Lernort werden

Und doch könne der Region eine bedeutende Rolle beim Anbau der Krokusse zukommen, sagt Spieth. Denn die Forschungsinitiative untersuche hier, wie sich Safran unter veränderten Klimabedingungen erfolgreich anbauen lasse. Im Mittelpunkt stehen Bodenfeuchte, Temperatur, Humusgehalt und Beschattung.

Zwar gilt Safran als trockenheitsverträglich, doch anhaltende Hitze und ausgetrocknete Böden können Blüte, Ertrag und Qualität beeinträchtigen. Ziel der Versuche ist es, Anbaumethoden zu entwickeln, die Wasser besser im Boden halten und die Kulturpflanze langfristig auch unter den Bedingungen des Klimawandels sichern. Altenburg könne so laut Spieth „zu einem Lernort werden“.

Von Matthias Thüsing (epd)