Thüringen startet mit 1.356 neu eingestellten Lehrkräften in das Schuljahr 2026/27. Damit seien erneut deutlich mehr Lehrkräfte eingestellt worden, als aus dem Schuldienst ausschieden, sagte Bildungsminister Christian Tischner (CDU) am Mittwoch in Erfurt. Den Neueinstellungen stünden Abgänge im Umfang von 934 Vollzeitbeschäftigten gegenüber.
Zum neuen Schuljahr werden nach Prognosen des Bildungsministeriums 255.863 Schülerinnen und Schüler an staatlichen und freien Schulen unterrichtet. Darunter sind voraussichtlich 16.897 Erstklässler. Tischner sprach von einem Start „mit Rückenwind“, verwies zugleich aber auf weiteren Handlungsbedarf bei der Unterrichtsversorgung und der Verlässlichkeit von Schule.
Gewerkschaften: Einstellung von Lehrern muss verstetigt werden
Die Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, Kathrin Vitzthum, begrüßte die Neueinstellungen. Zugleich verwies sie darauf, dass sich dieser Prozess verstetigen müsse. Es dürfe nicht wie in der Vergangenheit wieder Jahre ohne Neueinstellungen von Lehrkräften geben. Neueinstellungen bei sinkenden Schülerzahlen könnten die Unterrichtsqualität verbessern.
Kritisch betrachtet die Gewerkschaft die von Tischner angekündigten Pläne, Lehramtsanwärterinnen und -anwärter schon während des Studiums für bestimmte Schularten und Unterrichtsfächer gewinnen zu wollen. Dass es eine Bedarfsplanung gebe, sei begrüßenswert, sagte Vitzthum. Sie eröffne nicht zuletzt auch den angehenden Lehrern mehr Planungssicherheit für den Start ins Berufsleben. Doch wer Gymnasiallehrer für Deutsch und Geschichte werden wolle, lasse sich vermutlich nur in Ausnahmefällen für den Einsatz an einer Förderschule oder für die Fächerkombination Mathematik und Physik gewinnen. Hier bestehe die Gefahr, dass dem Freistaat Lehrkräfte gänzlich verloren gehen könnten.
Lehrpläne wurden an die Lebenswelt junger Menschen angepasst
Tischner hatte vorgeschlagen, erstmals eine langfristige Bedarfsprognose für den Thüringer Schuldienst zu erarbeiten. Sie soll als Grundlage für die künftige Lehrerausbildung dienen. In den derzeit vorbereiteten Ziel- und Leistungsvereinbarungen mit den Hochschulen sollen deshalb Mangelfächer, Praxisbezug und schulartübergreifende Einsatzmöglichkeiten stärker berücksichtigt werden. Zudem soll gezielter um Lehrkräfte für Bedarfsregionen und Mangelfächer geworben werden.
Eine wichtige Neuerung sind nach Angaben Tischners überarbeitete Lehrpläne. Sie sollen stärker an aktuellen Anforderungen und der Lebenswelt junger Menschen ausgerichtet werden. Neben fachlichen Inhalten werden unter anderem Sprach- und Medienbildung, Demokratiebildung, berufliche Orientierung und kulturelle Bildung stärker berücksichtigt. Die Lehrpläne treten zunächst als Erprobungsfassungen in Kraft und sollen anhand der Erfahrungen aus der Praxis weiterentwickelt werden. Insgesamt wurden mehr als 100 Lehrpläne für unterschiedliche Schularten und Fächer beauftragt.
Auch die Förderung von Basiskompetenzen wird ausgebaut. Nach 34 Pilotschulen beginnen zum neuen Schuljahr 50 weitere Grundschulen mit dem sogenannten Leseband. Dabei sind täglich 20 zusätzliche Minuten Lesezeit vorgesehen. In den kommenden zwei Jahren sollen weitere 200 Schulen hinzukommen.