Sachsens Gleichstellungsministerin Petra Köpping (SPD) hat die gestiegene Zahl von Betroffenen häuslicher und geschlechtsspezifischer Gewalt als „dramatisches Problem unserer Gesellschaft“ bezeichnet. Hinter den bisher öffentlich gemachten Fällen liege ein tiefes Dunkelfeld, sagte Köpping am Mittwoch im sächsischen Landtag in Dresden.
2024 gab es in Sachsen laut Kriminalstatistik 10.202 Straftaten häuslicher Gewalt, im Schnitt sind das 28 Fälle pro Tag. Seit 2020 sei die Zahl der Straftaten um fast 20 Prozent gestiegen, sagte Köpping. Der Anstieg der Fälle deute auch auf eine leicht steigende Anzeigebereitschaft hin.
Krankenkassen übernehmen Kosten
Köpping kündigte an, dass die Krankenkassen vom 1. April an die Kosten einer „vertraulichen Spurensicherung bei Vergewaltigung und häuslicher Gewalt“ übernehmen werden. Bisher konnten Kliniken sowie Ärztinnen und Ärzte in Sachsen eine solche Leistung nicht regelhaft abrechnen.
In einer Studie von 2023 gaben demnach 96 Prozent der befragten Frauen an, schon einmal sexuell belästigt worden zu sein. Unter anderem aus Scham hätten viele Betroffene auf eine Anzeige verzichtet und auch keine professionelle Hilfe in Anspruch genommen.