Zehlendorfer Waldsiedlung zum Unesco-Weltkulturerbe erkoren
Berlin, Busan (epd).

Die Waldsiedlung in Berlin-Zehlendorf ist zum Unesco-Weltkulturerbe erkoren worden. Das im südkoreanischen Busan tagende Welterbekomitee stimmte der Erweiterung des Denkmal-Ensembles der Berliner Siedlungen der Moderne am Sonntag zu, wie die deutsche Unesco-Kommission mitteilte. Das wegen seiner bunten Häuser auch als „Papageiensiedlung“ bekannte Quartier im Südwesten der Hauptstadt wurde zwischen 1926 und 1931 unter Federführung des Architekten Bruno Taut (1880-1938) erbaut. Es gilt als herausragendes Beispiel des Neuen Bauens.

Die Präsidentin der deutschen Unesco-Kommission, Maria Böhmer, nannte die Siedlungen der Berliner Moderne „weit mehr als herausragende Architektur“. Sie zeigten bis heute, worauf es bei gutem, bezahlbarem und gesundem Wohnen ankomme. „Die Erweiterung um die Waldsiedlung Zehlendorf macht deutlich, wie visionär diese Wohnkonzepte vor hundert Jahren waren - und wie aktuell sie noch immer sind“, sagte Böhmer nach der Entscheidung vom Sonntag.

Bausenator freut sich über Entscheidung

Berlins Stadtentwicklungssenator Christian Gaebler (SPD) zeigte sich erfreut über die Entscheidung in Südkorea. Die Waldsiedlung Zehlendorf stehe für einen städtebaulichen Neuanfang. „Ihre Einzigartigkeit ist ein Symbol der Modernität, das schon seit rund 100 Jahren zeigt, wie bezahlbares Wohnen mit hoher Lebensqualität gelingen kann“, sagte der SPD-Politiker. Er fügte hinzu: „Mit der Entscheidung der Erweiterung der Siedlungen der Moderne würdigt das Unesco-Welterbekomitee nicht nur die Qualität der Waldsiedlung Zehlendorf, sondern trägt eine historische Idee in die Gegenwart.“

Wegen des schlechten Zustands vieler Fassaden hatte die Waldsiedlung 2008 nicht mit den sechs anderen Berliner Siedlungen der Moderne den Welterbestatus erhalten, obwohl sie flächenmäßig die größte ist. Renovierungsarbeiten in der Folgezeit ermöglichten jedoch eine Nachnominierung. „Die Eintragung als Unesco-Welterbe ist eine Würdigung des langjährigen Engagements der Bewohnerinnen und Bewohner für ihre Siedlung“, sagte Berlins Landeskonservator Christoph Rauhut. Diese sei eine der „größten und der außergewöhnlichsten Siedlungen der 1920er Jahre in Deutschland“.

Visionär des Neuen Bauens

Das auf dem Gebiet des Grunewalds errichtete Quartier umfasst über 1.100 Geschosswohnungen und 800 Einfamilienhäuser. Tauts Vision von erschwinglichem, aber dennoch lebenswertem Wohnraum stieß im Anfang des 20. Jahrhunderts von Villen geprägten Zehlendorf zunächst auf Ablehnung. Die naturnahe Architektur lockte aber schon früh Künstler und Schriftsteller an, die das Quartier lange prägten. Auch die direkt in den U-Bahnhof integrierten Ladenzeilen waren damals eine Neuheit.

Die deutsche Unesco-Botschafterin Kerstin Pürschel begrüßte die Entscheidung im südkoreanischen Busan ebenfalls: „Mit ihrer einzigartigen Verbindung von Architektur, Waldlandschaft und urbaner Infrastruktur erweitert die Waldsiedlung Zehlendorf das bestehende Welterbe um eine ganz eigene Facette.“ Die Anerkennung durch das Welterbekomitee in Busan unterstreiche die internationale Bedeutung der Berliner Moderne und würdige ausdrücklich den Beitrag der Waldsiedlung Zehlendorf.

Von Joris Ufer und Jens Büttner (epd)