Wittenberger Lutherhaus erhält neues Eingangsgebäude
Wittenberg (epd).

Am historischen Lutherhaus in Wittenberg ist der Grundstein für ein neues Eingangsgebäude gelegt worden. Das den Angaben zufolge größte reformationsgeschichtliche Museum der Welt wird seit Anfang 2025 energetisch saniert und soll im Herbst 2027 mit einer neuen Dauerausstellung wieder eröffnet werden, teilte die Stiftung Luthergedenkstätten am Freitag mit. Das Bauvorhaben werde mit 10,5 Millionen Euro vom Land Sachsen-Anhalt und 4,8 Millionen Euro vom Bund gefördert. Die Stiftung beteilige sich mit 300.000 Euro an dem Vorhaben.

Kulturstaatsminister Wolfram Weimer (parteilos) sagte: „Mit der Sanierung und Erweiterung des Lutherhauses wollen wir diese altehrwürdigen Mauern auch in Zukunft ihre Geschichten erzählen lassen.“ Mit dem Neubau des Eingangsgebäudes verbessere sich zudem die Raumsituation des Museums wesentlich, sagte Stiftungsvorstand Thomas T. Müller. So könne das frühere Wohnhaus von Reformator Martin Luther (1483-1546) in seiner Authentizität erhalten bleiben und sich zugleich mit modernen Standards der Energieeffizienz, Barrierefreiheit und Sicherheit präsentieren.

Ausgangsort einer Bildungs- und Sozialreform

Kulturstaatsminister Weimer betonte: „Hier entstanden Luthers reformatorischen Leitschriften, die sich von Wittenberg aus rasend schnell in der ganzen Welt verbreiten und unsere Gesellschaft weit über die Religion hinaus nachhaltig prägen sollten.“ Luther sei nicht nur ein großer Theologe gewesen, sondern habe auch eine Bildungs- und Sozialreform ausgelöst. „Wir brauchen sichtbare Orte, wie diesen wertvollen Leuchtturm der deutschen und europäischen Geschichte“, um zur Auseinandersetzung mit der Reformation und mit Luther als Mensch einzuladen, ergänzte Weimer.

Sachsen-Anhalts Bildungsminister Jan Riedel (CDU) verwies darauf, dass das Museum „auf einzigartige Weise kulturelles Erbe und Bildungsauftrag“ verbinde. Hier sei gedacht und diskutiert, gebetet und geplant worden. Deshalb habe das Lutherhaus nicht nur als touristisches Reiseziel und authentischer Ort für Gläubige große Bedeutung, sondern auch als außerschulischer Lernort.

Luthergedenkstätten sind Weltkulturerbe

Das historische Haus mit der authentischen Lutherstube sei bereits im 17. und 18. Jahrhundert von Pilgern besucht worden, hieß es.1883 war es unter dem Namen „Lutherhalle“ als Museum eingerichtet worden. Seit 1996 gehört es als Teil der Luthergedenkstätten zum Weltkulturerbe der Unesco.

Das neue Eingangsgebäude wird an der Stelle des nun abgerissenen Direktorenhauses aus den 1930er Jahren erbaut und verleihe dem historischen Ensemble ein modernes Gesicht, sagte Stiftungsvorstand Müller. Bis zur Eröffnung der neuen Dauerausstellung im Herbst 2027 ist die Sonderausstellung „Buchstäblich Luther. Facetten eines Reformators“ im angrenzenden Augusteum mit Exponaten der Wittenberger Sammlungen zu sehen.

Von Thomas Nawrath (epd)