Eine bislang unbekannte Zeichnung des Bauhaus-Künstlers Werner Gilles (1894-1961) erweitert die Graphischen Sammlungen der Klassik Stiftung Weimar. Die Kreidezeichnung aus Privatbesitz sei der Stiftung geschenkt worden und gelte als Vorstudie für das 1923 entstandene Wandbild „Landschaft mit Akten und Pferden“, teilte die Stiftung am Mittwoch mit. Die neu entdeckte Arbeit sei ein bedeutendes neues Zeugnis der frühen Bauhaus-Geschichte.
Das Wandbild gehört zu einem Ensemble von vier Bauhaus-Wandmalereien, die Gilles und Oskar Schlemmer 1923 für die Wohnung des Bauhaus-Meisters Adolf Meyer (1881-1929) in Weimar schufen. Beide Künstler gestalteten jeweils zwei Wände. Dass ein Bauhaus-Schüler wie Gilles bei dem Projekt gleichberechtigt mit seinem Meister Schlemmer (1888-1943) zusammenarbeitete, gilt als Beispiel für die vom Bauhaus propagierte gemeinschaftliche künstlerische Arbeit.
Wandbild galt lange als zerstört
Die Motive der Wandbilder geben der Forschung bis heute Rätsel auf. Bei Schlemmer wird unter anderem eine Auseinandersetzung mit der Antike vermutet. Bei Gilles könnte eine Italienreise mit Kommilitonen in den Jahren 1921/22 eine Rolle gespielt haben. Auch die Wandmalereien galten lange als von den Nationalsozialisten zerstört, wurden 2006 jedoch unter Farbschichten wiederentdeckt und freigelegt.
Die nun geschenkte Zeichnung ermöglicht nach Angaben der Klassik Stiftung neue Einblicke in die Entstehung von Gilles' Wandbild. Zugleich erweitere sie die Perspektive auf das gesamte Raumkunstwerk und das künstlerische Zusammenspiel von Meister und Schüler am frühen Bauhaus.