Sportmuseum Berlin: Ein Zuhause für die sportliche Geschichte
Berlin (epd).

Kräne ragen über die denkmalgeschützte Maifeldtribüne am Glockenturm. Davor reiht sich eine kleine Stadt aus Baucontainern. An einem hängt das Schild „Kasse“, ein weiterer ist mit „Taschenabgabe“ überschrieben. Trotz Baustelle fand neben dem Berliner Olympiastation vergangenes Wochenende ein Festival auf dem Maifeld statt. Während die Bühne auf dem Feld am Montag noch abgebaut wird, laufen im Inneren der Tribüne die Arbeiten am Berliner Sportmuseum. Hier soll 2027 die den Angaben nach größte Sportsammlung Deutschlands einziehen.

Mehr als 100.000 Objekte, rund 1,5 Millionen Fotografien und eine Bibliothek mit über 37.000 Titeln sporthistorischer Literatur aus drei Jahrhunderten gehören zur Sammlung des Berliner Sportmuseums und des Wassersportmuseums Grünau. Dazu zählt der DDR-Vierer-Bob, der bei den Olympischen Winterspielen 1980 Gold gewann, und der Fußball vom Anstoß des Finales der EM 2024.

Kosten von knapp über 67 Millionen Euro

Bisher gehöre zum Museum nur eine kleine Ausstellung im Wassersportmuseum Grünau, erklärt die stellvertretende Leiterin des Museums, Maike Priesterjahn, bei einer Baustellenbegehung. Das Sportmuseum habe nie eine eigene Dauerausstellung gehabt, obwohl es seit ungefähr 1970 Gegenstände sammele, die mit Sport zu tun haben, sagt Priesterjahn.

Den Entschluss zum Bau von Räumen für das Museum traf das Berliner Abgeordnetenhaus schon im Februar 2010. Während der Arbeiten seien Schäden an Stahlträgern im Inneren der Tribüne festgestellt worden, berichtet Maximilian Goes von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung. Die unteren Betontribünen mussten demnach abgerissen werden, was Projektverzögerungen verursachte. Insgesamt koste der Bau knapp über 67 Millionen Euro. Ende des Jahres seien die Bauarbeiten fertig. Mitte 2027 könne das Museum dann öffnen, sagt Goes.

Sanitäranlagen und Umkleiden nahezu fertig

Die Maifeldtribüne ist Teil des ehemaligen sogenannten Reichssportfeldes. Es wurde 1934 bis 1936 als Aufmarschgelände für politische Kundgebungen der Nationalsozialisten für bis zu 400.000 Personen gebaut. Von 1953 bis 1994 war es Teil des Hauptquartiers der britischen Streitkräfte in Berlin. Heute finden dort verschiedene Veranstaltungen und Sportereignisse statt.

Neben den Räumen für die Dauerausstellung werden auch Sanitäranlagen und Umkleiden gebaut. So werde noch mehr sportliche Nutzung als bisher möglich sein, erklärt Stadtentwicklungssenator Christian Gaebler (SPD). Die Sanitäranlagen und Umkleiden sind nahezu fertig, bis auf einige Kabel aus der Decke und den Wänden sowie den fehlenden Boden. Die restliche Baustelle sieht aus, als sei sie von fertig noch weiter entfernt. Aber: Die Arbeiten seien Richtung Zielgerade unterwegs, bekräftigt Sportstaatssekretärin Franziska Becker (SPD).

Renn-Rollstuhl und Diskus

Die Ausstellungsflächen wirken noch roh und unfertig. An der kargen Betonwand, die sich über zwei Ebenen erstreckt, sollen bald Sportgeräte hängen. Schlitten, Schachfiguren oder Eishockeyschläger präsentieren dann, wie vielfältig die sportliche Welt und deren Geschichte sei. Unter anderem ein Diskus des Olympiasiegers Robert Harting oder ein Renn-Rollstuhl des paralympischen Siegers Heinz Frei werden die Wand schmücken.

Nach den Plänen wird es in der Ausstellung um sportliche Traditionen, unterschiedliche Organisationen und die mediale Verarbeitung von Großevents sowie das Körperbild im Sport gehen. Des Weiteren sei eine Ausstellung zu Sport im Nationalsozialismus geplant. Die Ausstellungsmöbel seien teilweise aus alten Sportgeräten: Ein Sprungkasten werde eingebaut, ebenso wie alter Hallenboden, erklärt Goes.

Bis die Stadt aus Baucontainern abgebaut ist, wird es noch einige Zeit dauern. Und der Geruch nach Beton und frischer Farbe wird vermutlich noch in der Luft liegen, wenn die Maifeldtribüne schon ihre neue Bestimmung erfüllt: als Zuhause für die sportliche Geschichte und als Ausgangsort für sportliche Momente von morgen.

Von Linn Manegold (epd)