Provenienzforschung nimmt DDR-Unrecht stärker in den Blick
Erfurt (epd).

Erfurt (epd). Die Provenienzforschung in Thüringen wird deutlich ausgeweitet und richtet sich künftig verstärkt auf Unrechtskontexte der sowjetischen Besatzungszone und der DDR. Darauf hat der Museumsverband Thüringen am Mittwoch in Erfurt anlässlich des anstehenden Tags der Provenienzforschung am 8. April hingewiesen. Künftig sollen neben NS-Raubgut und kolonialen Beständen verstärkt auch staatliche Enteignungen zwischen 1945 und 1990 untersucht werden.

Seit 2020 koordiniert der Verband sogenannte Erstchecks zur Überprüfung von Museumsbeständen. In bislang 24 Einrichtungen wurden Vorprüfungen durchgeführt, darunter 14 zu NS-verfolgungsbedingt entzogenem Kulturgut sowie zehn zu kolonialen Kontexten. Mit der Erweiterung auf die Zeit nach 1945 rücke ein bislang wenig erforschtes Feld der Museumsarbeit in den Fokus.

Pilotprojekt führt zu einer Schenkung

Ein Pilotprojekt wurde den Angaben zufolge am Deutschen Optischen Museum in Jena umgesetzt. Dort konnte die Geschichte eines 1954 enteigneten Nachlasses aus dem Umfeld des Unternehmers Ernst Abbé (1840-1905) rekonstruiert und eine Einigung mit den Erben erzielt werden. Durch die Form der Kontaktaufnahme angeregt, schenkten die Erben dem Museum sogar weitere bedeutende Dokumente aus dem persönlichen Besitz Abbés.

Auch das Thüringer Museum Eisenach arbeitet an einem Projekt zur Aufarbeitung von Kulturgutverlagerungen in der DDR. Gefördert werden die Vorhaben durch das Deutsches Zentrum Kulturgutverluste, das ab 2026 erweiterte Fördermöglichkeiten bereitstelle. Ziel ist eine systematische Aufarbeitung der Fälle sowie mehr Transparenz in den Sammlungen.