Leipziger Völkerschlachtdenkmal: Neue Ausstellung und neue Ideen
Leipzig (epd).

Im Völkerschlachtdenkmal in Leipzig ist nach Baumaßnahmen eine Ausstellung zur Geschichte des Bauwerks für den Publikumsverkehr geöffnet worden. Die Ideen der Stiftung Völkerschlachtdenkmal enden damit aber laut Geschäftsführer Anselm Hartinger nicht: „Wir haben noch ganz viel vor“, kündigte er am Donnerstag in den Räumen des Denkmals an. Dabei sollen vorwiegend neue Flächen im Inneren nutzbar gemacht werden.

Dazu zähle, dass das bisher in Räumlichkeiten am Fuße des Denkmals positionierte Museum „Forum 1813“ im Denkmal selbst einen Platz finden soll. Vorerst solle es daher im Sommer des Jahres 2027 als provisorische Ausstellung in den bisherigen Filmraum ziehen, bevor in den nächsten Jahren knapp 600 Quadratmeter Fläche neu im Gebäude erschlossen werden sollen. Aus dem bisherigen Standort des Museums soll dann ein Raum für Veranstaltungen für Schulklassen, Besuchergruppen und Vorträge werden. Auch der Förderverein des Völkerschlachtdenkmals soll auf lange Sicht in das Bauwerk ziehen.

„Kritische, moderne Ausstellung“

Die Stiftung möchte mit dem Völkerschlachtdenkmal laut Hartinger „in die Gesellschaft hinein wirken“. Kern sei, dass sich das Denkmal nicht politisch vereinnahmen lasse, sondern ein „europäisches Friedensmonument“ bleibe, bei dem Menschen aus ganz Europa über Krieg und Frieden reden sollten. So sei zu Beginn des Krieges von Russland gegen die Ukraine eine Friedenstaube an das Denkmal projiziert worden.

Die nun geöffnete Ausstellung widme sich auf acht beleuchteten Tafeln im Inneren des Bauwerks mit der Idee, dem Bau sowie der Zukunft des Völkerschlachtdenkmals. Es handelt sich laut Hartinger um eine „kritische, moderne Ausstellung“, die auch die wechselhafte politische Bedeutung des Denkmals darstellt. Außerdem seien originale Exponate Teil der Präsentation. Dazu gehöre eine der Leiterkonstruktionen, die zum Bau des Denkmals verwendet worden seien.

Weitere Ausstellung bleibt unzugänglich für Publikumsverkehr

Bisher sei die Präsentation nur innerhalb einer Führung zu besichtigen gewesen. Grund sei das Fehlen eines zweiten Fluchtwegs. Die Kosten für eine Feuertreppe sowie Notrufsysteme, Blitzschutz und eine Erneuerung der Ausstellung beliefen sich auf 400.000 Euro, erklärte Hartinger. Seit Anfang Juni könnten alle Gäste ohne vorherige Anmeldung die Räume innerhalb der Öffnungszeiten des Denkmals besuchen.

Auf der gegenüberliegenden Seite der Ausstellung befinde sich ein weiterer Ausstellungsbereich. Dieser soll weiterhin nur über eine Führung besuchbar sein, da dort zu viel Technik verbaut sei. Ein Umbau nach geltenden Brandschutzmaßnahmen wäre schlicht zu kompliziert.

Mehr als 300.000 Gäste pro Jahr

Die sogenannte Völkerschlacht zwischen den verbündeten Heeren Russlands, Preußens, Österreichs und Schwedens gegen Napoleon Bonaparte (1769-1821) und dessen Alliierte bei Leipzig ereignete sich vom 16. bis 19. Oktober 1813. 100 Jahre später, am 18. Oktober 1913, wurde das begehbare Völkerschlachtdenkmal zu Ehren der mehr als 90.000 Todesopfer eingeweiht. Das rund 300.000 Tonnen schwere Denkmal im Südosten der Stadt ist heute eines der Wahrzeichen Leipzigs. Jährlich zählt es laut der Stiftung des Denkmals mehr als 300.000 Besucherinnen und Besucher.

Von Linn Manegold (epd)