Das Orgelspielen überlässt er heute „den Leuten, die es können“, sagt Entertainer Harald Schmidt: „Ich müsste wahnsinnig üben und würde nicht mal die traditionellen Choräle hinbekommen.“ Doch über Kirchenmusik reden, das kann der 68-Jährige. Beim Bachfest Leipzig plauderte er am Mittwoch im gewohnt illusteren Ton über seine Zeit als Organist und Chorleiter in seiner katholischen Heimatgemeinde Nürtingen in Baden-Württemberg.
Mehr als 500 Menschen kamen zur Gesprächsreihe „Maul trifft...“ mit dem Bachfest-Intendanten Michael Maul in die evangelisch-reformierte Kirche. Als Jugendlicher hatte Schmidt die C-Prüfung für Kirchenmusik im baden-württembergischen Rottenburg abgelegt.
Damit er in der Heimatkirche Orgel üben durfte, habe er sonntags in den umliegenden Dorfkirchen bei den Gottesdiensten spielen müssen. Für einen Orgeldienst habe er zunächst fünf Mark bekommen, als C-Organist aber mit 15 Mark deutlich mehr, erzählt Schmidt. Dies sei auch ein Grund gewesen, warum er die Prüfung ablegen wollte. Aber eigentlich habe ihn sein Orgellehrer gefragt, ob er C-Kantor - also ein nebenberuflicher Kirchenmusiker - werden wolle und er habe es einfach gemacht.
Radikale Musikerziehung
Zum Bachfest-Mittagsgespräch hatte Schmidt einen Koffer voller Orgelnoten mitgebracht, aus denen er damals auch Werke von Johann Sebastian Bach (1675-1750) gespielt habe. Die Hefte seien teilweise so zerfleddert, weil sie ihm einst wegen seines fehlerhaften Spielens „relativ aggressiv über den Hinterkopf gezogen wurden“, sagt Schmidt.
Musikerziehung sei damals „etwas radikaler betrieben“ worden. Er habe mit „zitternden Griffeln“ gespielt. Für seine Kirchenmusikprüfung hatte er auch Dirigieren gelernt. Rückblickend sagt er dazu: „Das Gespringe auf dem Pult, das war nichts für mich“, obwohl er teilweise „sogar auf‘s richtige Instrument gezeigt“ habe.
Schmidt dirigiert Publikum
Intendant Maul hatte nach eigener Aussage dem Gast versprochen, dass das Publikum vierstimmige Bach-Choräle aus dem Stand singen kann. Schmidt dirigierte während der Talk-Veranstaltung dann auch zwei Bach-Choräle, „Lobe den Herren“ und „Brich an, du schönes Morgenlicht“. Er zeigte sich zufrieden.
Und was von Bach würde er mit auf eine einsame Insel nehmen? „Auf jeden Fall das Weihnachtsoratorium und eines der “Brandenburgischen Konzerte„ oder auch ein Werk für Cello Solo“, antwortet Schmidt, der nach Abitur und Zivildienst die Schauspielschule Stuttgart besucht hatte. Später präsentierte er jahrelang die satirische „Harald-Schmidt-Show“ sowie gemeinsam mit dem Kabarettisten Herbert Feuerstein (1937-2020) die Show „Schmidteinander“.
„Pianistisches Unvermögen“
Als ausgebildeter Kirchenmusiker sieht der Entertainer in Bach eine absolute Ursubstanz der Musik. Er lobte den Komponisten einmal als „kinderreiches Genie“, was beweise, dass es auch ohne staatliches Betreuungsgeld gehe. Seine eigene musikalische Karriere resümiert Schmidt heute mit einem Augenzwinkern: „Ich habe jede Gelegenheit genutzt, um mein pianistisches Unvermögen in eine künstlerische Erklärung hinüberzuretten, damit bin ich gut über die Runden gekommen.“
Der Entertainer und Schauspieler, der die Late-Night-Show nach US-amerikanischem Vorbild ins deutsche Fernsehen brachte, war erstmals beim Bachfest zu Gast. Intendant Maul hofft, dass der Schmidt, der in Leipzig nun „Einblick in seine zweite Karriere“ gegeben habe, künftig „Stammgast beim Bachfest“ werde. Die diesjährige Ausgabe des Musikfestivals zu Ehren des ehemaligen Leipziger Thomaskantors Bach findet noch bis Sonntag statt.