Die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD) präsentieren eine Ausstellung mit historischen Trinkpokalen. Ausgehend von den Meisterwerken der Goldschmiedekunst widme sich die Schau im Grünen Gewölbe „den ausschweifenden Trinksitten der Renaissance und des Barock“, sagte SKD-Generaldirektor Bernd Ebert am Mittwoch in Dresden. Unter dem Titel „Auf Ex! Willkommpokale im Grünen Gewölbe“ sind von Donnerstag an 23 Exponate zu sehen, die meisten aus dem 16. und 17. Jahrhundert.
Die kunstvollen Willkommpokale seien einst zur Begrüßung von hochrangigen Gästen des Dresdner Hofes mit Wein gefüllt worden, sagte Ebert. Einige der Objekte fassten bis zu 2,5 Liter Flüssigkeit. Gefertigt wurden die Trinkgefäße meist aus Silber, aber auch aus Glas oder Porzellan. 17 der gezeigten Objekte gehören heute zur Sammlung des Grünen Gewölbes.
Immer komplett leer getrunken?
Laut der Kuratorin der Ausstellung, Ulrike Weinhold zeugen von der tatsächlichen früheren Nutzung einige Gebrauchsspuren und auch Einsätze, die die Gefäße vor dem Auslaufen der Flüssigkeit schützten. Ob die Pokale jedes Mal immer komplett leer getrunken wurden, sei nicht belegt. Es habe jedoch durchaus Bräuche gegeben, bei denen dies erwartet wurde. Zum Teil waren damit Bewährungsproben verbunden, die auch dokumentiert wurden.
Der Willkommens-Trinkbrauch wurde laut Kuratorin oft außerhalb des Dresdner Residenzschlosses gepflegt, etwa auf der Festung Königstein oder in der Albrechtsburg Meißen und in Jagdschlössern - je nachdem, wo die Kurfürsten sich aufhielten. Zu jedem Ort habe ein eigenes Willkommensgefäß gehört. So gab es in Meißen ein Gefäß aus Meissener Porzellan in Form eines übergroßen Schlüssels, das aufgrund seiner Form nur im leeren Zustand abgestellt werden konnte.
Trinken aus nachgebildetem Kanonenrohr
Neben klassischen Pokalen, Bechern und Humpen zeigt die Ausstellung auch Formen wie Schiffe, Fässer und Windmühlen sowie Gefäße in Gestalt von Pferden oder Hirschen. Ein Exemplar der Festung Königstein wurde sogar in Form eines Kanonenrohrs gefertigt.
Zu den herausragenden Exponaten der Schau gehört der sogenannte Schlösschenpokal. Das 65,5 Zentimeter hohe Gefäß aus vergoldetem Silber zeigt ein detailreiches Modell des schon im Dreißigjährigen Krieg zerstörten Lusthauses auf der Festung Sonnenstein in Pirna. Der Pokal ist laut SKD heute der einzige erhaltene Beleg dafür, wie das Gebäude ausgesehen habe.
Hochzeitsbrauch und Trinkbücher
Verbreitet seien einst auch sogenannte Jungfrauenbecher gewesen, sagte Weinhold. Seit Mitte des 16. Jahrhunderts kamen sie insbesondere bei Hochzeiten zum Einsatz. Das Paar musste die mit Wein gefüllten Gefäße austrinken, ohne etwas zu verschütten. Ein Film in der Ausstellung zeigt, wie dieses Scherzgefäß gehandhabt wurde.
Zu vielen Pokalen hätten sogenannte Trinkbücher gehört - ähnlich der heutigen Gästebücher. Dort schrieben sich Teilnehmer der Trinkgesellschaft ein. In der Ausstellung können Besucher und Besucherinnen nun digital in diesen Büchern blättern.
Die Ausstellung bildet den Abschluss eines zehnjährigen Forschungsprojekts. Dieses hatte den Bestand der fast 350 Goldschmiedearbeiten im Grünen Gewölbe untersucht.